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Interview : „Bei Missfallen Gefühle zurück!“ - Sammlung Schürmann in Dortmund

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Russ Meyer, „Eve Meyer”, 1960 Bild: Sammlung Gaby und Wilhelm Schürmann

Gaby und Wilhelm Schürmann zeigen ihre Kunstsammlung in Dortmund. FAZ.NET traf den Sammler inmitten seiner Werke.

          Seit 1973 sammeln Gaby und Wilhelm Schürmann Fotografie. Nachdem ein Teil der Kollektion tschechischer Fotografie 1984 ans Getty Museum in Los Angeles verkauft wurde, sammeln sie auch Malerei und Dreidimensionales. Gaby Schürmann ist Lehrerin und Leiterin einer Schule in der Nähe von Aachen. Wilhelm Schürmann wurde 1946 in Dortmund geboren, wo seine Familie einen Spielwarenladen betrieb. Nach seinem Chemiestudium wandte er sich der Fotografie zu, die er als Professor an der FH Aachen seit 1980 auch lehrt. FAZ.NET sprach mit ihm.

          „Superman in Bed“ - ein ungewöhnlicher Ausstellungstitel. Wie kam er zustande?

          Es ist ein Bildtitel. „Superman in Bed“ stammt von dem amerikanischen Maler Peter Saul und entstand 1962. Dass ein Superheld auch ein Privatleben hat, ist doch eine schöne Idee. Sex ist sicher auch im Spiel. Männerwelt eben.

          Peter Saul, „Superman in Bed”, 1962

          1962 ist eigentlich kein Datum mehr, das man der unmittelbaren zeitgenössischen Kunst zurechnen würde.

          Aber ein wichtiges Jahr. Es gab Ereignisse, die ich noch deutlich vor Augen habe: den ersten James Bond-Film „Dr. No“, den ersten Karl May-Film „Der Schatz im Silbersee“. Kubrick dreht „Lolita“, Marilyn Monroe stirbt, und dann das Trauma der Kuba-Krise. Ein Roman, der während der Kuba-Krise spielt, heißt „See you later, Alligator“, auch ein Stück von Bill Haley. Er spielte es damals bei seinem Konzert in Dortmund. Halbstarke zerlegten das Mobiliar in der Westfalenhalle. „Großstadtkrokodile“ heißt später ein Film von Max von der Grün.

          Filme scheinen Sie besonders zu inspirieren. Und Amerika.

          Meine Verbindung zu Los Angeles, wo ich immer wieder bin, gründet sich in einer kulturellen Sozialisation durch amerikanische Bilder. Hollywood gibt's wirklich.

          In dieser Ausstellung geht es aber auch um ihre Dortmunder Wurzeln.

          Nicht nur ich, auch Martin Kippenberger, einer der ersten Künstler, die ich konsequent gesammelt habe, kommt aus Dortmund. „Mama hol mich vonne Zeche, ich kann das schwatte nich mehr sehn" heißt eines seiner Bilder.

          Was war denn Ihre erste Begegnung mit Kunst?

          Ich muss sieben Jahre alt gewesen sein, als unser Nachbar Norbert Tadeusz auf der Straße zu sehen war, wie er dort Krokodile schnitzte. Da war ich wohl zum ersten Mal Betrachter einer Kunstproduktion. In unserem Spielzeugladen hieß die teuerste Lokomotive von Märklin „das Krokodil“. Kostenpunkt 100 Mark. Im letzten Dezember wurde ein frühes Exemplar bei Sotheby's für ca. 15.000 Britische Pfund versteigert.

          Krokodile scheinen eine wichtige Rolle zu spielen.

          Ich sammel keine Krokodile.

          Malerei sammeln Sie eher wenig?

          Die Malerei als alte Frau in: „Die Mutter von Joseph Beuys“, 1984. Kippenberger war 28, als er das Bild gemalt hat. Auch Peter Saul war 28, als er „Superman in Bed“ malte. In Deutschland kennt man ihn überhaupt nicht.

          Sie haben ja ohnehin eine Vorliebe auch für Dinge, die normalerweise im Kunstkontext gar nicht auftauchen .

          Sie denken da vielleicht an die Fotos von Marilyn Monroe beim Garderobentest. Aber das Interessante ist doch, wie die Dinge zusammenkommen. Marilyn als Sexsymbol zum Beispiel neben dem „Tapp- und Tastkino“ von Valie Export: Die Aktion, bei der Export einen Karton vor ihren blanken Brüsten trägt und dazu auffordert, hineinzugreifen. Der Mann auf dem Foto ist übrigens ein Filmemacher. Den Ruf als Lustmolch hatte er natürlich weg.

          Was sind ihre nächsten Pläne?

          Trinken und vergessen“. Auch ein Bild von Kippenberger, 1992. - Nein, die nächste große Ausstellung ist für nächstes Jahr in Wien geplant.

          Steht schon fest, wie sie heißen wird?

          Noch nicht ganz. Wahrscheinlich wird der Titel „Implantate und Gleichgewicht“ nach einer Zeichnung von Peter Piller kommen.

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