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Internet Zuhören ist alles - Kummerkasten im Netz

02.05.2001 ·  Liebeskummer, Depression, Frust oder Verzweiflung - www.kummernetz.de ist die erfolgreichste Seelsorgeseite im deutschsprachigen Web.

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Uwe Holschuh ist Diakon im unterfränkischen Ebenhausen. Er kann es selbst kaum glauben: Sein Angebot im Internet, www.kummernetz.de, das er vor knapp fünf Jahren startete, hat sich zur beliebtesten elektronischen Lebenshilfe im deutschsprachigen Raum entwickelt.

Bis zu 20. 000 mal wird die Seite im Monat angeklickt. Das Internet entwickelt sich zum idealen Forum, um anonym sein Herz auszuschütten. Wie bei der Telefonseelsorge kommen die Sorgen und Nöte aus allen Lebensbereichen. Ob Liebeskummer, Beziehungsfrust, Einsamkeit, Berufsärger - auch bei kummernetz.de suchen alle jemanden, der ihnen zuhört. Hier können die Trostsuchenden aber entscheiden, ob sie ihr Problem in einem Kummer-Forum veröffentlichen, in einem Kummer-Chat mit anderen Besuchern direkt in Kontakt treten oder nur per e-mail beraten werden wollen.

Anonym Ausquatschen

Die Attraktivität des Internet-Kummerkastens liegt für Holschuh in der niedrigen Hemmschwelle: Computer, Tastatur und Modem ermöglichten es, noch anonymer zu sein als am Telefon. Wer nicht will, verrät weder Alter noch Geschlecht. Dass offenbar immer mehr Menschen jemanden zum Reden oder Schreiben suchen, führt der Diakon des Bistums Würzburg auf die Entwicklung der Gesellschaft zurück.

Ob zu Nachbarn, Kollegen oder Freunden - „die Kontakte werden oberflächlicher“, glaubt er. Da werde zusammen geblödelt und gelacht, aber das, was wirklich bewegt, behalte jeder für sich. Auch aus Angst, Schwäche zu zeigen. Ein solch schöner Schein aber habe Einsamkeitsgefühle zur Folge, manchmal würden dadurch sogar Depressionen begünstigt.

www.frust.com

Von Michael Endes „Momo“ in seiner Überzeugung bestärkt, dass Zuhören eine große Tugend sei, kam der katholische Diplom-Theologe 1996 auf den Gedanken, seine seelsorgerische Tätigkeit auf das Internet auszudehnen. Mühsam brachte er sich das Programmieren bei, um seine eigene Homepage zu basteln. Schon bald hatte er jeden Tag zwei Besucher. Als nächstes richtete sich Holschuh eine eigene Domain unter dem schönen Namen „www.frust.com“ ein. Die Besucherzahlen stiegen ständig, die Arbeitsbelastung auch und bald ging es ohne ehrenamtliche Helfer nicht mehr weiter.

Seit 1999 übt Uwe Holschuh seinen Beruf als Religionslehrer nur noch halbtags aus, für seine Internet-Tätigkeit hat ihm das Bistum Würzburg eine halbe Stelle gewährt. Inzwischen umfasst das Team achtzehn Mitarbeiter, aufgeteilt auf die Bereiche Seelsorge und Lebensbegleitung.

Dennoch wirbt kummernetz.de um neue Ehrenamtliche und bemüht sich um Sponsoren, um seiner beratenden Tätigkeit weiterhin nachgehen zu können. Auch bei den 20. 000 Besuchern monatlich, die inzwischen Trost und Rat im Netz suchen.Therapie will, kann und darf das Kummernetz nicht anbieten. Aber Hilfestellung leisten, Empfehlungen aussprechen und vor allem - zuhören.

Quelle: @st, mit material von dpa/lby
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