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Internet WLAN - das Comeback der Internet-Utopien

 ·  Utopien der Selbstorganisation und des dezentralen Wachstums von Netzen feiern ein Comeback, meint das Magazin für Netzkultur "Telepolis".

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Heute Morgen in ein paar Jahren in Deutschland. Sie warten auf Ihren Bus, irgendwo in Ihrer Stadt. Der Bus kommt nicht. Sie müssen bis 10 Uhr ein dringliches Papier geschrieben haben.

Sie warten noch ein wenig, packen dann aber einen Laptop mit der Funk-Netzwerkkarte aus, entfernen sich 20 Meter (es dürfen auch 500 sein), setzen sich auf eine Bordsteinkante, verfassen ihr Opus und verschicken es mit einer rasanten Übertragungsgeschwindigkeit von elf Megabit pro Sekunde. Hinter dem Zauber steckt geregelte Anarchie. Sie haben an einem "Hot Spot" partizipiert, an einem freien drahlosen Bürgernetz, einem der sogenannten Wireless Local Area Networks (WLAN). In Amerika bringen sie die sorgfältig geplante, exlusive UMTS-Welt durcheinander, und auch in London, Wien oder Hannover "sprießen sie derzeit mit den Frühlingsblumen um die Wette", wie "Telepolis" in seiner aktuellen Ausgabe berichtet. Das Magazin für Netzkultur widmet dem WLAN ab heute eine neue Reihe, die es mit Links zu Bürgernetzen unterfüttert. Zunächst die Details.

Wie nimmt man teil?

"Der drahtlose Datenspaß wird ermöglicht durch den IEEE 802. 11b Standard, eine lizenzfreie Technik, die von jedem genutzt werden kann, um auf einer Frequenz von 2,4 Gigahertz Daten mit Geschwindigkeiten von derzeit bis zu 11 Mbits zu übertragen. (...) Als Enduser teilzunehmen, ist höllisch einfach. Alles was es braucht, ist eine drahtlose Netzwerkkarte zum Laufen zu bringen, schon kann man sich in einen der immer zahlreicheren lokalen WLAN-Knoten (...) einklinken. Noch einfacher und übersichtlicher wird das Finden von Hotspots mit der allseits beliebten Software Netstumbler."

Universitäten und Firmen, aber auch zunehmend Privatleute in Wohn- oder Hausgemeinschaften, so "Telepolis", bauten und nutzten solche Basisstationen mit Sendeantenne, um dem Kabelsalat zu entgehen und sich die Kosten für einen schnellen Netzzugang zu teilen. Allerdings würden die Schutzmöglichkeiten oft nicht genutzt: Ein Versuch in London - mit Fahrrad, Rucksack, Antenne, Laptop und Netstumbler - habe ergeben, dass auf einer Strecke von einer Meile ein gutes Dutzend an Firmennetzen parasitäres Mitsurfen ohne offizielle Zugangsberechtigung erlaubten.

Wer bietet WLAN an?

Auch in Deutschland, so "Telepolis", hätten die WLANs eine wachsende Anhängerschaft. Die Vernetzung "von unten" bedinge oft gefährliche Kletteraktivitäten auf Hochhäusern, um Antennen zu installieren. Neben den bekannteren Gruppen und Aushängeschildern der Szene gäbe es eine Anzahl von engagierten jungen Computerexpertinnen und -experten, die sich häufig ganz altruistisch dem Ausbau der kabellosen Netze widmeten. Diese exzellente "Skills-Basis" komme einer wachsenden Zahl von Nutzern und Projekten zugute. Fazit im Wortlaut: "All das zusammen schmeckt nach einer neuen Internet-Revolution."

"Big Business" habe inzwischen von dem Wireless-Ding, das sich alternativ WiFi oder Wave-Lan nenne, Wind bekommen. Anfang Januar 2002 hatte Voicestream Wireless, die US-Tochter der Deutschen Telekom, das Wifi-Netzwerk des bankrotten Startups MobileStar gekauft, zu dessen Netzwerk 650 Zugangspunkte in Starbucks-Cafés gehören. Gegenüber Spiegel Online hatte Glenn Fleishman, langjähriger WiFi-Experte und Betreiber der Webseite 80211b.weblogger.com, prognostiziert: "Innerhalb von zwei Jahren werden alle Mobilfunkfirmen im WiFi-Geschäft tätig sein."

Die Do-it-Yourself-Bastler könnten sich bald mit multinationaler Konkurrenz konfrontiert sehen, meint auch "Telepolis", wobei die größte Gefahr nicht vom Verdrängungswettbewerb ausginge, sondern von bereits jetzt laufenden Versuchen, auf die Entwicklung des Standards und die Zuteilung von Spektrum so Einfluss zu nehmen, dass sich das Schlupfloch, das die "Grassroots-Vernetzer" jetzt noch begünstige, wieder schließe.

Bevor es aber soweit käme, würden die freien drahtlosen Bürgernetze als flotter und günstiger Weg ins Internet genutzt und vielleicht sogar dazu, das Potenzial verbundener lokaler Netze zu entfalten. "Telepolis" hat eine Vision: "Statt breitbandigem Internet ein sehr großes, aus vielen vermaschten WLAN's bestehendes Wide Area Network, das sich aus einer Vielzahl von Individuen, lose organisierten Gruppen oder NGOs zusammensetzt, die ihr Netz selbst verwalten, betreiben und besitzen."

„Telepolis“ will die Reihe mit einem Interview mit James Stevens vom Londoner Projekt "Consume.net" fortsetzen. „Consume.net“ will dafür sorgen, dass sich selbstverwaltete Hot-Spots zusammenschalten, um ganze Stadtteile zusammenzuschließen.

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