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Internationaler Finanzmarkt Hoffnung auf Amerikas Konjunktur

Allmählich lässt die Wirtschaft des Euroraums die Rezession hinter sich. Doch als Kurstreiber für den Aktienmarkt wirkt das nicht. Die Hoffnungen richten sich auf Amerika.

© F.A.Z. Vergrößern

Nach sechs Quartalen in Folge mit schrumpfender Wirtschaftstätigkeit ist die Wirtschaft des Euroraums von April bis Juni erstmals wieder gewachsen. Trotz dieser Nachricht kam in der vergangenen Woche keine Feierlaune an den Börsen auf. Dabei enthalten die Daten für das zweite Quartal durchaus einige erfreuliche Signale. So wächst die Wirtschaft des Währungsraums selbst dann, wenn man Deutschland herausrechnen würde. Frankreich überraschte positiv und Portugal liegt mit einem Plus von mehr als 1 Prozent sogar an der Spitze aller Euroländer.

Das sind gute Nachrichten, doch die Kursreaktion war eher verhalten, was nicht nur mit der Sorge um Ägypten zu tun hat, wo ein Bürgerkrieg droht. Der wirtschaftlichen Erholung des Euroraums begegnen die Anleger noch immer mit Skepsis - aus guten Gründen. Die Arbeitslosigkeit ist mit mehr als 12 Prozent auf einem Rekordwert. Wie nachhaltig die Konjunkturerholung sei, werde vom Zusammenspiel dreier Faktoren abhängen, heißt es in einer Analyse der Deutschen Bank.

Entscheidend seien die Anpassungen zur Erhöhung der Ertragskraft der Unternehmen, die Weltkonjunktur und die Wirkung der sinkenden Staatsausgaben. Spanien und Italien legten in diesem Jahr eine Pause mit zusätzlichen sichtbaren Sparmaßnahmen ein, das werde besonders in Italien im zweiten Halbjahr die Binnennachfrage stärken. Große Unterstützung von einer anziehenden weltweiten Konjunktur werde es nicht geben. Die Strukturreformen kämen vor allem in Italien nicht voran, was für weiteren Druck auf dem Arbeitsmarkt spreche. Im Ganzen spreche das für begrenztes Wachstum in den beiden Krisenländern.

Die Amerikaner konsumieren wieder mehr

Einen Hinweis auf eine schleppende Erholung könnte es in dieser Woche geben, wenn der durch Umfragen unter Einkaufsmanagern ermittelte Stimmungsindex für den Euroraum im Juni veröffentlicht wird. Für Deutschland, Frankreich und die Niederlande erwarten die meisten Beobachter einen Rückschlag. Allerdings war der Index zuletzt gestiegen. Außerdem werde sich nichts an dem Aufwärtstrend für den Index ändern, der die Stimmung der gesamten Euro-Wirtschaft abbildet, heißt es bei der Commerzbank. Ein weiterer wichtiger Wert könnte in einer ansonsten an Konjunkturdaten armen Woche der Bericht vom amerikanischen Immobilienmarkt sein. Die Zahl der Hauskäufe könnte um rund 4 Prozent gestiegen sein. Aufs Jahr hochgerechnet wären das dann mehr als 5 Millionen Käufe und der stärkste Umsatz seit dem Jahr 2007.

Amerikas Wirtschaft zählt ohnehin zu den Hoffnungswerten an den Börsen. Dabei spielt das Verhalten der Konsumenten eine wichtige Rolle. Seit dem Beginn der Finanzkrise vor fünf Jahren haben die amerikanischen Privathaushalte ihre hohe Verschuldung deutlich verringert. Sie sank seitdem um 12 Prozent auf die immer noch hohe und kaum vorstellbare Zahl von rund 11.150 Milliarden Dollar. Zugleich sind die verfügbaren Einkommen inflationsbereinigt um etwa 6 Prozent gestiegen, was die Schuldenlast besser erträglich macht. Auch im zweiten Quartal dieses Jahres ging die Verschuldung weiter zurück. Doch es sind einige Anzeichen zu beobachten, dass die Amerikaner sich allmählich wieder mehr Konsum gönnen, was zu einer Belebung der Wirtschaft beitragen könnte. So sind von April bis Juni die Kredite zur Finanzierung eines Autokaufs um rund 20 Milliarden Dollar gestiegen. Und auch von ihrer Kreditkarte machen die Verbraucher wieder mehr Gebrauch.

Titel im M-Dax wirken übertrieben kostspielig

Die Hoffnung auf einen kräftigeren Aufschwung in den Vereinigten Staaten hat dort schon zu einem Kursaufschwung an den Aktienbörsen beigetragen. Der S&P-500 ist in diesem Jahr schon um rund 18 Prozent geklettert, deutlich stärker als die Aktienkurse im Euroraum, wo der Euro-Stoxx-50 zwar seit Juni aufgeholt hat, aber im Vergleich zum Jahresbeginn nur mit rund 8 Prozent im Plus liegt. Allerdings ist in Amerika auch die Bewertung spürbar höher als hierzulande. Für amerikanische Aktien zahlen Käufer mehr als das Fünfzehnfache des für dieses Jahr erwarteten Unternehmensgewinns. Für den Euro-Stoxx-50 liegt dieser Wert, das Verhältnis von Kursen zu Gewinnen (KGV), bei 12,7 und für den deutschen Leitindex Dax, der seit Jahresbeginn gut 11 Prozent zugelegt hat, bei 12,4.

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Im Vergleich dazu wirken die deutschen Aktien der zweiten Reihe übertrieben kostspielig. Titel im M-Dax sind nahezu mit dem Neunzehnfachen der Unternehmensgewinne bewertet. Ein besonderer Belastungsfaktor könnten in dieser Woche wie schon in den vergangenen Tagen die Unruhen in Ägypten sein. Der Ölpreis hat sich seit Anfang Juli bereits um rund 10 Prozent auf knapp 110 Dollar für ein Barrel der Nordseesorte Brent verteuert. Eine Eskalation der Krise könnte diese Bewegung beschleunigen und so auch die Risiken für Kursrückschläge auf den Aktienmärkten erhöhen.

Quelle: F.A.Z.

 
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