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Insolvenz der FR Rundschau

Wenn der medialen Schnelllebigkeit mit phantasieloser Führung begegnet wird, hilft auch ein feines Gespür für die Presse nicht mehr: Zur Insolvenz der „Frankfurter Rundschau“.

Auf den ersten Blick liegt eine billige Ironie darin, wenn die Nachricht von der Insolvenz der „Frankfurter Rundschau“ zuerst die Nutzer der großen Nachrichtenportale erreicht, und dann erst die Redakteure des Blatts. Die Einladung für die FR-Betriebsangehörigen war gestern für den Nachmittag ausgesprochen worden, da hatten aber die Bewohner der sozialen Netzwerke sich schon seit Stunden ihre speziellen Gedanken über das Aus der „Rundschau“ gemacht. Wie immer ging es dort schräg und emotional zu, mal nostalgisch, mal aggressiv.

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Auf Karikaturen sah man Dinosaurier auf einen herannahenden Kometen starren, oder es wurden suggestive Todesketten konstruiert, denn auch das Stadtmagazin „Prinz“ kommt nur noch digital. Und in Amerika ist „Newsweek“ in „TheDailybeast.com“ aufgegangen, Tina Browns teurer Klatsch- und Nachrichtenseite.

Es sind Ketten ohne Kausalitäten mit nur einem Anschein von Plausibilität verbunden: Magazine haben, wenn sie gut sind, Legendencharakter, die sind bekanntlich unsterblich aber von beschränkter irdischer Dauer: „Tempo“ und „Life“ sind Lesern noch im Sinn, auch wenn sie längst nicht mehr erscheinen. Das haben private Medienmarken im Kapitalismus mit anderen Waren gemein, sie kennen ein Ende, aber, anders als Konsumgerätemarken oder Spülmittel, prägen sie darüber hinaus die Kultur ihrer Zeit und die Erinnerung der Bürger.

Führung ohne Phantasie

Trotz der dauernd beschworenen Schnelllebigkeit der Medien verfügt die bürgerliche Öffentlichkeit über ein präzises Gedächtnis, ja ein Gespür für Presse. Mehr noch: Viele betrachten die Zeitung ihrer Wahl als Teil ihres Lebens. Da ist die Wochenzeitung, deren jahrzehntelange Lektüre manchem den Schul-und Hochschulbesuch wenn nicht ganz ersetzt, sondern zumindest optimiert hat, die regionale Zeitung als dezentrale Informationsquelle über den sozialen Nahbereich und die überregionale Tageszeitung als scharfes, geistiges Multifunktionswerkzeug, um sich im Medien- und Nachrichtendschungel zurecht zu finden.

Leser in ganz Europa pflegen eine innige Beziehung zu jenen Zeitungen, die über Jahrzehnte zu Symbolen geworden sind - die Spanier fiebern mit dem Schicksal von „El Pais“, viele Briten war peinlich, was Murdoch aus seinen Zeitungen machte und Frankreich sinkt zu Boden, wenn „Le Monde“ schwächelt. Nicht jedem Blatt glückt eine wirtschaftliche Positionierung in einem sich sehr rasch verändernden Markt, eine orientierungslose Führung, die das Risiko scheut und mit allem, insbesondere aber mit Phantasie geizt, eine lieblose Führung also, kriegt jede Marke klein.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 14.11.2012, 07:33 Uhr

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