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Immendorff-Biographie : Kein Skandal

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Der Maler Joerg Immendorff ist am 28. Mai 2007 gestorben Bild: AP

Keinen Skandal hat der Künstler Jörg Immendorff zu Lebzeiten ausgelassen. Für seine Biographie, die im Herbst erscheint, läuft die Pressemaschine auf Hochtouren. Die Enthüllungen des Enthüllungsbuchs werden allerdings jenseits des Buchs unter die Leute gebracht.

          Der Künstler Jörg Immendorff war schon zu Lebzeiten umstritten. Sein Prostituierten- und Drogen-Skandal von 2003 wurde öffentlich ausgetragen, als Provokateur galt er schon seit 1968. Nun erscheint eine für Anfang Oktober angekündigte Biographie, und die Pressemaschine läuft auf Hochtouren – man rechne damit, dass Oda Jaune, die junge Witwe des Künstlers, der 2007 starb und sie zur Alleinerbin machte, dagegen vorgehen werde, teilt der Verlag mit.

          Vorsorglich habe man Stellen entschärft – „ein Kapitel sei daraufhin gestrichen worden, berichtet das Börsenblatt. Von einer Intervention oder konkreten Drohungen seitens von Frau Jaune ist aber nichts bekannt: Ihr Anwalt sagte gegenüber dieser Zeitung, dass sie sich lediglich mit einem Brief gemeldet hätten, als der Autor die Ärzte von Immendorff befragt habe. Warum also das Theater? HP Riegel kannte Immendorff gut, er war seit 1979 sein Berater und Freund: „Je erfolgreicher Immendorff wurde, so schien mir, desto mehr begehrte er, geliebt zu werden. Anerkennung war für ihn eine gültige Form der Liebe“, schreibt Riegel kritisch.

          Mal ist er „pubertär“, dann „konzeptlos“

          Was er sonst noch alles zu sagen hat, steht aber offenbar nicht vollständig im Buch, das, vermutlich aus Angst vor juristischen Folgen, glattgebügelt wurde. Gleichzeitig verspricht der Aufbau-Verlag gegenüber dieser Zeitung, der Autor werde mündlich, in Interviews, Skandalöses aufdecken, zu „Schwarzmarkt“ und anderen heiklen Themen. Der Verlag fährt hier eine erstaunliche Strategie: Offenbar erschienen ihm die Thesen zu heikel, die Gefahr einer einstweiligen Verfügung zu groß – so müssen die Enthüllungen des Enthüllungsbuchs jenseits des Buchs unter die Leute gebracht werden: Die eigentliche Biographie erscheint also parallel zu den Wahrheiten, die sein Autor behauptet.

          Im Buch wird Immendorff nur auf unanfechtbar-subjektive Manier in die Mangel genommen: Mal ist er „pubertär“, dann „konzeptlos“. Wenn es zu Skandal und Klage kommen sollte, wäre das Buch nur noch Relikt einer mündlich geführten Enthüllung. Man ahnt, dass Riegel vielleicht mehr über Oda Jaune und Immendorffs Jahre mit ihr geschrieben hat, wenn man das Kapitel liest, das „Die Kindfrau“ heißt und nur aus zweiundzwanzig Zeilen besteht. Es endet mit den Worten: „Er muss sich in einer emotionalen Extremsituation befunden haben, als er die kindhafte junge Frau von berückender Schönheit kennenlernte.“ Auf dreihundert Seiten ist das alles, was an Ungeheuerlichkeiten bleibt: ein Altherrenbegriff für eine junge Frau. Und etwas zu wenig für einen echten Skandal.

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