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Imagewandel : Frank Steinmeier

Erst hatte mit Karl-Theodor zu Guttenberg dank Wikipedia ein Minister einen Vornamen zuviel, nun hat ein Kabinettskollege einen zuwenig: Frank-Walter Steinmeier soll nach dem Willen der SPD künftig nur noch als „Frank“ auftreten. Aber warum?

          Der Wilhelm ist wieder gestrichen. Der neue Wirtschaftsminister zu Guttenberg trägt nun nur noch die Vornamen Karl-Theodor, Maria, Nikolaus, Johann, Jakob, Philipp, Franz, Joseph und Sylvester, nicht aber, wie es jemand bei Wikipedia eingetragen hatte und dann zahllose Medien es abgeschrieben hatten: Wilhelm. Kaum hat sich die Aufregung um das wilhelminische Verwirrspiel wieder gelegt, gerät schon der nächste Minister aufgrund eines Vornamens in die Schlagzeilen; diesmal aber ist es nicht einer zu viel, sondern einer zu wenig.

          Die Rede ist von Frank Steinmeier. Also von jenem Außenminister und SPD-Kanzlerkandidaten, den wir bislang als Frank-Walter Steinmeier kannten, was wir aber – so jedenfalls scheinen es die Wahlkampfstrategen seiner Partei zu planen – schnellstmöglich vergessen sollen. „Frank Steinmeier“, so war zu lesen, halte man bei der SPD für „lebenspraktischer“. Man kennt das von anderen Politikern, dieses Bedürfnis, die Karriere zu beschleunigen, indem man Altlasten abwirft: Rudolf Scharping trennte sich von seinem Bart, Thorsten Schäfer-Gümbel von seiner Brille. Und Steinmeier eben nun von Walter.

          Schwerer Stand für Bindestrichträger

          Man fragt sich nur, warum. Vielleicht, weil bei den deutschen Wählern und Medien Politiker mit Bindestrichnamen traditionell keinen leichten Stand haben, wie zuletzt Schäfer-Gümbel leidvoll erfahren musste, als er dem einsilbigen Koch unterlag. Oder weil sich Steinmeier daran erinnert, wie Barack Obama von den Republikanern wegen seines weltläufigen zweiten Vornamens Hussein attackiert wurde. Doch welche dunklen Assoziationen beim Wähler hätte die CDU mit dem Walter wecken können? Vielleicht dachte man an das unselige Wirken Walter Ulbrichts, der freilich trotz dieses Vornamens zum Staats- und Parteichef aufstieg? Oder an Schusswaffen der Marke Walther oder gar an „Mein Gott, Walter“, Mike Krügers Klamauknummer aus den siebziger Jahren?

          Gerade den Abschied vom Walter sucht die Union nun als Wahlkampfmunition einzusetzen: In einem Videofilm lässt sie den Walter zwischen dem Frank und dem Steinmeier verschwinden und erklärt: „Ohne Mitte fehlt dir was.“ Das ist eine gewagte Behauptung, ist Angela Merkel doch ganz ohne Mitte Kanzlerin geworden, obwohl sie eine würdevolle Dorothea hätte einsetzen können.

          Dass ein zweiter Vorname wahlentscheidend sein soll, glauben wir ohnehin nicht. Zwar ist Franz Josef Strauß in der Tat nie Kanzler geworden, wohl aber ein anderer, dem der Vorname erst die staatsmännische Aura verlieh: Kanzler Kurt Kiesinger, das hätte nicht geklungen. Die SPD aber scheint entschlossen, den Walter in die Wüste zu schicken. Hillary Clinton soll Steinmeier schon als Frank ansprechen. Immerhin bei Wikipedia steht nach wie vor Frank-Walter. Wir werden die Seite im Auge behalten.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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