12.03.2007 · Das wurde auch Zeit: Der gute alte Tee bekommt ein neues Image. Eine neue Website will der Jugend das „Kult-Getränk“ schmackhaft machen - und fordert die Teetrinker dazu auf, beim „Tea-Movie-Award“ ihren eigenen Teefilm zu drehen.
Von Jörg ThomannGeht es Ihnen heute auch so gut? Fühlen Sie sich kreativ, tatkräftig und zugleich entspannt, spüren Sie eine Frische in Körper, Geist und Seele? Falls ja, dann könnte das an jenem Heißgetränk liegen, das in diesem Moment vielleicht dampfend neben Ihnen steht und das, wie wir aus verlässlicher Quelle wissen, ein absolutes „In-Getränk“ ist: der Tee. Tee nämlich ist „nicht nur lecker und gesund, Tee ist Kult“, ruft uns in einer Mitteilung der Deutsche Teeverband entgegen, der seinem Schützling eine brandneue Internet-Seite spendiert hat - und zwar http://www.tea-up-your-day.de/ - „die junge Tee-Website“.
Es wurde auch Zeit. Zwar ist, wie wir der Website entnehmen, der Tee „das beliebteste Heißgetränk der Welt“ und wird folglich von einer ziemlich großen in-crowd geteilt, mit seinem Ruf aber steht es nicht zum Besten. Beim Tee denken ja viele, ganz anders als der Deutsche Teeverband, nicht an „Kult und Power aus der Tasse“, sondern an Erkältung und Magenweh, an Schullandheime, an Räucherstäbchen und Flokatiteppiche. Der Kaffee hat es vorgemacht, wie sich ein jahrhundertealtes Getränk ein neues Image zulegt: Er befreite sich aus der Filtertüte, verließ die alte Porzellantasse für ein junges schlankes Glas und tritt nun mondän als coffee to go oder caffè latte auf.
Chillout und Action
Da ist es nur konsequent, wenn nun auch der Deutsche Teeverband über den Untertassenrand hinausblickt und sich weltläufig gibt; auch wenn sein Motto tea up your day unter Anglisten den Verdacht nähren dürfte, er sei mit dem Teebeutel gepudert oder habe, auf Neudeutsch, one in the tea. Der Besucher der im knallbunten Bollywood-Stil gestalteten Website jedenfalls kann „eintauchen in die Welt des Tees“ und erfährt, dass Tee „nicht nur Chillout, sondern auch Action“ bedeutet. Und er darf im Rahmen des „Tea-Movie-Awards“ seinen ganz persönlichen Teefilm drehen und ihn von anderen Teefreunden bewerten lassen.
Wer freilich auf große Liebesdramen wie „Everybody's Darjeeling“ oder Action-Epen à la „The Incredible Adventures of Earl Grey“ hofft, wird enttäuscht. Bislang sieht man auf der Seite nur verwackelte Filme mit einem ratlosen Baby, dem man statt der Rassel ein Teesieb in die Hand gedrückt hat, oder mit zwei Puppen, die nach dem Genuss einer Tasse Tee einen derart seltsamen Tanz aufführen, als hätten sie alles Mögliche zu sich genommen, doch gewiss keinen Tee. Da werden die Teetrinker noch gehörig aufdrehen oder auch aufteen müssen, um ihrem Lieblingsgetränk den Platz in der Filmgeschichte zu sichern, der ihm gebührt. Bis dahin gilt: Abchillen und tea trinken.
Grauenhaft
Sven Jakobssohn (jakobssohn)
- 12.03.2007, 14:03 Uhr
Schade...
Andreas Wessels (PhunkyData)
- 12.03.2007, 14:39 Uhr
tea up - one in the tea
sabine müller (s.mueller1962)
- 12.03.2007, 16:29 Uhr
Volle Kanne ok - tea-up-your-day.de
Lukas Wilhelms (Wilhelms_Lukas)
- 12.03.2007, 19:16 Uhr
Man suche...
Andreas Wessels (PhunkyData)
- 12.03.2007, 19:45 Uhr
Jörg Thomann Jahrgang 1971, Redakteur im Ressort „Gesellschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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