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Im verbissenen System Die albernen Piraten

 ·  Für uns Piraten gehört ein bisschen Spaß zur Politik. Ja, die gewisse Prise Albernheit zählt sogar zu unseren Grundwerten. Und das ist gut so.

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© dapd Vergrößern Auch auf dem Parteitag in Bochum wieder mit dabei: die Splittergruppe der Playmobil-Piraten

In einer repräsentativen Demokratie sollen Politiker das Volk nicht nur vertreten, sondern auch repräsentieren. Im Idealfall wäre der Bundestag ein Querschnitt der Bevölkerung. Leider ist dem nicht so. Trotz Quoten gibt es deutlich mehr Männer als Frauen im Parlament, und auch der Anteil an Abgeordneten mit Migrationshintergrund ist deutlich zu niedrig.

Angesichts dieser Missstände fällt es kaum auf, dass Politiker noch etwas ganz anderes nicht repräsentieren: Menschen mit all ihren Facetten. Politiker sind trocken, effizient, ernst. Menschen sind aber nicht nur Homines Oeconomici, sie sind eben auch gern kreativ. Menschen lachen. Politiker lächeln höchstens. Auch über das, was in der Politik passiert, möchte man zuweilen lachen, wäre es nur nicht oft so traurig.

Für Piraten gehört das ganze Jahr über auch ein bisschen Spaß zur Politik. Denn die gewisse Prise Albernheit zählt zu den Grundwerten der Partei. Das zeigte sich schon bei der Gründung, die im Berliner Hackerspace C-Base stattfand - der nicht nur die Zentrale des Chaos Computer Clubs, sondern laut Legende das Überbleibsel eines gestrandeten Raumschiffs ist.

Was die Öffentlichkeit wahrnimmt

Eine Zeichentrickserie mit regenbogenbunten Ponys ist Kult unter den Mitgliedern, sie wird bei Parteitagen ausgestrahlt, um überhitzte Gemüter zu beruhigen, ziert Profilseiten und dient für immer neue Memes im Internet. Piraten lieben Memes, diese kurzen Insider-Witze zu einem bestimmten Stichwort. Egal ob es darum geht, Wahlkampfslogans zu veralbern, Promi-Posen nachzuahmen oder liebevolle Wortschöpfungen zu kreieren. „Seriöslichkeit“ ist eine dieser Wortschöpfungen. Sie bezeichnet unter anderem die übertriebene, aufgesetzte Ernsthaftigkeit vieler Politiker.

Die mittlerweile zu Berufspolitikern gewählten Piratinnen und Piraten pflegen weiterhin ihre eigene Kultur. Sie bringen statt der verbotenen Laptops Schreibmaschinen mit und twittern Tiernamen. Was keineswegs zu Lasten ihrer inhaltlichen Arbeit geht. Wenn das aber das Einzige ist, was in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird, sagt das mehr über die Öffentlichkeit als über diese neuen Politikerinnen und Politiker aus.

Es heißt oft, die Piratenpartei würde vor allem von Protestwählern gewählt. Normalerweise dafür genutzt, einen legitimen Wahlwunsch zu diffamieren, trifft dieser Begriff in Sachen „Seriöslichkeit“ mit Sicherheit zu. Wer Piraten wählt, protestiert damit auch gegen Politik und Politiker, die so gar nichts Menschliches mehr haben.

„Zeitreisen Realität werden lassen“

Dieser Schuss Albernheit wird aber nicht den Wählerinnen und Wählern zugunsten aufrechterhalten, von einer Partei, die selbst langsam erwachsen wird. Im Gegenteil, er erfüllt für die immer noch junge Piratenpartei essentielle Funktionen. Der Humor hat eine identitätsstiftende Wirkung, die besonders wichtig ist, wenn die eigene Position zu vielen Themen noch unklar ist.

Und er bietet einen Schutzschild gegen den rauhen Wind, der in der „großen“ Politik herrscht. Oft genug wurde proklamiert, dass es mit dem Welpenschutz für die Piraten vorbei sei, die Angriffe der politischen Gegner sind hart und nicht immer herzlich. Aber auch innerhalb der Piratenpartei gibt es mittlerweile einige, die den „echten“ Politikern in nichts nachstehen möchten und sich mit Verve auf missliebige Parteikollegen, gern auch Kolleginnen, stürzen.

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Die Piratenpartei trifft sich am 24. und 25. November zum Bundesparteitag in Bochum. Dann werden die Mitglieder das Wahl- und Grundsatzprogramm beschließen. Achthundert Vorschläge liegen vor, achtzig dürften zu Beschlüssen führen. Zur Euro- und Finanz-Krise bahnt sich ein echter Richtungsstreit an.

Quelle: F.A.Z.
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