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Im Sinkflug vor Manhattan Unglückswunder

16.01.2009 ·  Die Natur gab sich doppeldeutig: Sie zerstörte, und sie rettete. Ganz New York ist sprachlos angesichts eines Unglücks, das nicht nur glimpflich verlief, sondern auch die Rettungsdienste, die Rettung der Passagiere und das Landemanöver des Piloten in ein wunderbares Licht tauchte.

Von Jordan Mejias, New York
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Am Morgen hatte es geschneit, am frühen Nachmittag war die Sonne damit beschäftigt, die Stadt aus ihrer Eisesstarre zu befreien. Es gelang ihr nicht. Aber dann war innerhalb einer Schrecksekunde das Wetter kein Thema mehr. Die Erinnerung an den 11. September, über die Jahre doch langsam verblasst, drängte sich plötzlich wieder in aller dramatischen Frische auf. Eine Maschine im Sinkflug. Über dem Hudson. Vor der Skyline von Manhattan. Das konnte den Atem rauben.

Und atemberaubend waren auch die ersten Bilder, die vom Unglück gezeigt wurden. Da trieb ein Flugzeug im Hudson, auf seinen Tragflächen die Passagiere bis zu den Knöcheln im Wasser und so den Anschein erweckend, als könnten sie über Wasserfluten wandeln, sogar an diesem bitterkalten Wintertag, nur wenige Minuten nach dem missglückten Start des Fliegers vom LaGuardia Airport, und ohne jede Umstände in die sogleich herbeigeeilten Fähren und Ausflugsboote umsteigen.

Für einen Augenblick: Triumph statt Krise

Ein paar Stunden später wird David Paterson, der Gouverneur des Bundesstaats New York, von einem Wunder auf dem Hudson sprechen, und niemand wird das als Übertreibung empfinden. Die ganze Stadt ist sprachlos angesichts eines Unglücks, das nicht nur glimpflich verlief, sondern auch die städtischen Rettungsdienste, die Rettung der Passagiere und das Landemanöver des Piloten in ein wahrhaft wunderbares Licht tauchte. Was dem Bürgermeister nur allzu gelegen kam, wenigstens für einen wohltuenden Augenblick die trüben Wirtschaftsprognosen zu verscheuchen und die allseits drohende Krise mit einem dem Unglück abgetrotzten Triumph zu ersetzen.

Unglück in New York: Alle Passagiere aus Airbus gerettet

Michael Bloomberg wollte bloß den Glücksfall sehen, während die Natur sich doppeldeutig gab. Sie zerstörte, und sie rettete. Sie verursachte, wenn die ersten Vermutungen stimmen, das Unglück. Ein Schwarm Vögel soll die beiden Motoren lahmgelegt haben. Natur aber kam auch zur Hilfe und stellte in Form des Hudsons die rettende Landebahn zur Verfügung. Und wie ein Stück Natur, wie ein weißer Wal schwappte schließlich das leere Flugzeug im Fluss, nunmehr beobachtet von einem Schwarm von Hubschraubern. Eine Szene, die das Unglück im surrealistischen Bild einfing.

Ein Unglückswunder, das auf die bevorstehenden Washingtoner Festlichkeiten zur Amtseinführung des neuen Präsidenten einen tiefen Schatten hätte werfen, jetzt aber zu ihrem Gelingen beitragen könnte. Ein Ereignis, das in seinen unglaublichen Dimensionen, wie die Stadt meint, zur ihr passt.

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Jahrgang 1949, Feuilletonkorrespondent in New York.

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