Es ist eine Rallye, die jedem den Atem nehmen muss, der dieses Millionenspiel verfolgt. Christie’s kündigt weltweit an: The most valuable and important grouping of works by Gerhard Richter to be sold at Christie’s. Es geht dabei um eine Gruppe von sechs Werken Richters aus den Jahren 1968 bis 1993, für die mehr als vierzig Millionen Dollar erwartet werden. Die Formulierung ist ausgeklügelt. Sie enthält, ein wenig unter der Hand, zunächst die Information, dass eine solche Massierung von Gemälden des Künstlers nicht zum ersten Mal geschieht: Im vergangenen November hatte es Tobias Meyer, weltweit der Direktor für die Gegenwartskunst bei Sotheby’s, dem Erzrivalen von Christie’s, riskiert, eine Suite von acht abstrakten Richter-Gemälden in einer einzigen Auktion anzubieten; der Erfolg gab ihm recht. Ein umwerfendes, 250 mal 340 Zentimeter großes „Abstraktes Bild (849-3)“ von 1997 konnte Meyer bei 18,5Millionen Dollar zuschlagen, dem Auktionsrekord für den Künstler. Die Schätzung hatte bei neun bis zwölf Millionen gelegen; Käuferin war übrigens Lily Safra, die das Bild dem Israel-Museum in Jerusalem zudachte.
Dann ist da das Attribut most valuable, das viel eleganter klingt als das rüde most expensive: Verwiesen ist damit auf die höchste Schätzung, die wohl je einem Werk Richters galt, nämlich vierzehn bis achtzehn Millionen Dollar für „Abstraktes Bild (798-3)“ von 1993; das ist durchaus schon kühn. Das wohl wichtigste der Werke, die am 8.Mai in New York zum Aufruf kommen, ist eins von Richters relativ frühen „Seestücken“, für das immerhin noch zehn bis fünfzehn Millionen kalkuliert sind. Solche aggressiven Preise zielen auf einen - dramatisch globalisierten - Markt, den bildlich konkrete Inhalte nur stören würden. Die singulären, zweifelsfrei dekorativen Abstraktionen Gerhard Richters erweisen sich als geschmeidige Statussymbole in allen Weltgegenden.
Dafür kann der Künstler selbst gar nichts - und steuern kann er schon längst nicht mehr, wie sich der sekundäre Markt an seiner enormen Produktivität bedient. Zumal derzeit eine unbändige Kaufstimmung herrscht, die solchen Einlieferern, die auf maximalen Gewinn spekulieren, wie vielleicht noch niemals zuvor in die Hände spielt. Das kann man nur konstatieren - und es gilt: time will tell.