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Im Namen der Freiheit Suhrkamp 21

Nur ein Vermittler könnte noch helfen in der Staatsaffäre Suhrkamp. Joachim Gauck und Heiner Geißler stünden bereit. Und eine Vermittlerin zwischen den Vermittlern ließe sich auch finden.

Der Suhrkamp-Streit, bei dem keiner mehr durchschaut, nimmt kurz vor dem Wochenende eine überraschende Wendung. Etwas „ganz Kühnes“ hat der ehemalige Suhrkamp-Autor Adolf Muschg vorgeschlagen - nämlich einen Vermittler in dieser Tragödie von antikem Ausmaß: „Ich finde, es wäre keine unpassende Rolle für den heutigen Bundespräsidenten“, sagt Muschg im Radio. Was nun folgt, kann man sich vorstellen: Gauck erklärt, er nehme die Wahl an und freue sich immer über die Möglichkeit, aktiv den Dialog zu stärken. Am Ende gehe es in diesem Streit doch vor allem um eines: um die Freiheit.

Wenige Stunden später kommt von der Seite des Suhrkamp-Gesellschafters Hans Barlach die Mitteilung, man begrüße die Idee einer Vermittlung, und Gauck sei ein ehrenwerter Mann, aber man wolle selbst auch noch jemanden für diesen wichtigen Dienst an der Gelehrtenrepublik ins Spiel bringen. Die Wahl sei auf Heiner Geißler gefallen. Barlachs Seite wird damit zitiert, Geißler habe die richtige Expertise für die Belange einer Institution wie Suhrkamp, da er sich mit Bauprojekten gut auskenne und im Streit um den Bahnhof Stuttgart21 überaus segensreich gewirkt habe.

Protokoll führt Rainald Goetz

Diese beiden Vorschläge wiederum will die bisherige Suhrkamp-Geschäftsführerin Ulla Unseld-Berkéwicz nicht auf sich sitzen lassen und bringt ihrerseits eine Vermittlerin ins Spiel: Margot Käßmann solle zwischen den Herren Gauck und Geißler ausgleichend wirken. Auch Geißler und Käßmann nehmen dankend an. Viele der Hausautoren Suhrkamps begrüßen daraufhin die Idee des Vermittlungsversuchs. Einzig Peter Handke, der im Wald in der Nähe von Paris beim Pilzesammeln von einem deutschen Journalisten aufgespürt wird, jagt diesen unter Androhung von Ohrfeigen davon - nicht jedoch ohne mitzuteilen, er fordere Gerechtigkeit für Suhrkamp, werde sich aber von diesem Tag an nie wieder öffentlich zu irgendetwas äußern.

Die heiligen drei Vermittler unterdessen lassen sich auf den Vorschlag von Ulla Unseld-Berkéwicz ein, an einen runden Tisch in den Räumen ihrer Villa im Grunewald zu kommen, um dort am Tag des im Maya-Kalender prophezeiten Weltuntergangs gemeinsam Weihnachten und Chanukka zu feiern - das Catering werde sie selbst bezahlen. Das Gespräch solle von Rainald Goetz protokolliert und anschließend im Verlag der Weltreligionen veröffentlicht werden. Und so geschieht es. Nach der Rettung sprechen sich Gauck, Geißler und Käßmann in einer gemeinsamen Presseerklärung für eine „Suhrkamp-Kultur des Hinschauens“ aus.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 14.12.2012, 18:00 Uhr

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