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Im Kino: „Blutzbrüdaz“ Der neue Winnetou?

 ·  Der Titel „Blutzbrüdaz“ klingt ziemlich abgedroschen, der Film ist es aber nicht. Er erzählt mehr als nur die Geschichte zweier Rapper, die ganz groß rauskommen wollen.

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Der Berliner Rapper Sido ist schon lange an einem Punkt seiner Karriere angelangt, an dem es eher darum geht, Bilanzen zu ziehen und Einsichten zu sammeln, als immer noch neue Provokationen auf die alten zu türmen; nur zur Erinnerung, dies ist der Mann, der eine ganz andere Analfixierung populär machte, als Sigmund Freud sie einst konzipiert hatte.

Eine Weile ging das ganz gut, das Märkische Viertel in Reinickendorf als das bessere Compton auszugeben. Inzwischen ist er längst so eine Art Ombudsmann der populären Kultur geworden, da sitzt er in der Jury einer Castingshow, dort macht er für eine Dokusoap den Talenteschmied („Sido macht Band“). Wer sich so im Mainstream breitmacht, kann eine Gründungslegende gut gebrauchen. Der Film „Blutzbrüdaz“ von Özgür Yildirim erzählt also die ganze Geschichte noch einmal von vorn: Der Aufstieg der beiden authentischen und straßenglaubwürdigen Rapper Otis und Eddy beginnt in einer Zeit, als Demos noch auf Tapes abgespeichert wurden.

Karriere für Freundschaft

Die beiden unverbrüchlichen Freunde streunen durch eine Stadt, die nur aus Kellerlokalen, Sprayerwänden, Hochbahnen zu bestehen scheint. Sie haben gute Texte auf Lager, aber kein Mikrofon, um sie einzuspielen.

Sie gehen also eines besorgen, machen sich dabei in einem Musikladen zum Affen, haben am Ende aber das Ding. Irgendwann wird die Szene auf sie aufmerksam, und danach bald auch die Industrie, und damit beginnt das Drama in „Blutzbrüdaz“. Denn das Blut muss erst synthetisiert werden, mit dem eine Freundschaft besiegelt werden kann, die gegen die Versuchungen des Business gefeit ist. Otis und Eddy unterschreiben bei einer großen Firma, und bald darauf erkennen sie ihre Kunst (und einander) nicht wieder.

Zeiten ändern dich eben nicht

Subtilität und raffinierten Witz wird man von einer Produktion wie dieser nicht erwarten, und tatsächlich hat sie ihre Stärken auch auf einer anderen Ebene. Es ist der Star Sido höchstpersönlich, der hier ein idealisiertes Selbstporträt von sich abgibt, das nahezu unwiderstehlich ist - wer könnte diesem tapsigen Posengangsta in Ballonseide die Identifikation verweigern, die Regisseur Özgür Yildirim („Chiko“) in diesem von Fatih Akin produzierten Film ganz und gar ins Zentrum stellt? Otis/Sido lebt den Traum aller Außenseiter, er darf nämlich Außenseiter bleiben und kriegt am Ende doch die Assistentin des Musikmanagers. Doch wird seine Freundschaft mit Eddy die Bewährungsprobe bestehen?

Wie in allen Jungsfilmen ist das die eigentliche Frage, und wie in allen Karrieren ist das letzte Wort dazu immer nur die aktuelle Platte - oder eben der aktuelle Film „Blutzbrüdaz“, in dem Sido der Integrationsbewegung im Berliner Hiphop zeigt, wer dabei der große Vorsitzende ist: Er selbst, der weiche Reimer, der nicht mehr auf Aggro machen muss.

Man könnte fast von einem Bildungsroman sprechen. Dass dieser unweigerlich auch Geschichtsklitterung enthält, gehört zum Spiel mit den Rollenbildern, das hier auch eine Antwort auf Bernd Eichinger und Bushido gibt: Zeiten ändern dich eben nicht, vorausgesetzt, du warst immer schon in Ordnung.

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