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Im Gespräch: Volker Schlöndorff : Bin ich überhaupt ein Künstler?

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Volker Schlöndorff ist als Regisseur eine feste Größe und als Autor eine Entdeckung. Jetzt hat er seine Erinnerungen geschrieben. Peter Körte sprach mit ihm übers Schreiben, das Kino und die Frage, was ein Meister ist

          Der Jaguar, den ihm Max Frisch geschenkt hat, ist in der Garage geparkt, vorm Haus steht ein toskanisches Olivenbäumchen im großen Terrakottatopf, im Flur hängt ein Spiegel aus Beirut – man sieht schnell, dass Volker Schlöndorff herumgekommen ist in der Welt, in mehr als fünfzig Jahren und fast dreißig Filmen. Nun hat der 69-Jährige, der heute, nach seinem Intermezzo als Manager beim Studio Babelsberg, nicht weit davon wohnt, seine Erinnerungen geschrieben: über Filme, Bücher, Länder, Frauen und Freunde.

          Ihr Buch beginnt mit einer Entlassung. Der Produzent des Projekts „Die Päpstin“ hatte Sie gefeuert. War das eine schwere Kränkung?

          Ja, und wie! Eine Frechheit war das (lacht). Wir haben ja einen anwaltlichen Kompromiss geschlossen, deshalb will ich mich dazu nicht weiter äußern.

          War diese Kränkung auch ein Antrieb zum Schreiben?

          Nein. Über Erinnerungen oder eine Autobiographie hatte ich mit dem Hanser-Verleger Michael Krüger schon öfter gesprochen. Ich wollte von meinen Jahren in Paris erzählen, weil ich danach immer wieder gefragt worden bin. Es war eine tolle Zeit, und die Jahre als Assistent fand ich immer schöner als die als Regisseur. Man lebt dieses ganze geliebte Filmleben, hat drei Filme pro Jahr und nicht nur alle zwei Jahre mal einen, und außerdem hat man keine Verantwortung für das Ergebnis. Es ist dasselbe Leben, bloß ohne die Angst. Und es gab einen anderen Stoff, den ich ganz lange machen wollte, für den mir aber die Story fehlt: die Nachkriegsjahre, die amerikanische Zeit in Deutschland, von 1945 bis 1950. Man kann sich heute gar nicht mehr vorstellen, wie prägend die Amerikaner, wie aufregend diese Jahre waren, weil es außer der militärischen keine Autorität gab. Amerikanische Freunde haben mich öfter gedrängt, darüber etwas zu machen, über „The Americanization of little Volker“, wie sie das nannten. Und dann waren da später die Jahre in New York, mitten im Leben, das war ein völliger Neuanfang, ich fühlte mich wieder jung. Da hatte ich wirklich das Gefühl, mich verändert zu haben, da habe ich mich wirklich befreit. Ich habe diesen amerikanischen Satz „Just do it“ in mich aufgenommen. Jemand wie Arthur Miller konnte sich gar nicht vorstellen, dass man Skrupel hat und etwas lieber nicht tut, als es zu machen. 99 Prozent meiner Entscheidungen laufen darauf hinaus, etwas eher nicht zu machen, weil man sich ja täuschen könnte.

          Haben Sie viel nachlesen müssen in alten Unterlagen oder Notizen?

          Viele Geschichten sind mir nur so aus der Feder geflossen, weil ich die natürlich x-mal erzählt hatte. Alles, was von den Filmen handelt, habe ich sehr präsent, darüber habe ich oft geredet, weil man sich selbst ununterbrochen damit auseinandersetzen muss. Um das, „was sonst noch gewesen ist“, wie ich eigentlich das Buch nennen wollte, habe ich hart gerungen, darüber habe ich nie gesprochen, selbst meine Frau wusste das nicht, und als ich Margarethe von Trotta das Manuskript gegeben habe, weil ich wollte, das sie das Buch liest, bevor es herauskommt, hat sie auch gesagt: „Warum hast du das nie erzählt? Das habe ich ja alles gar nicht gewusst.“ Das Sonst ist ja das Eigentliche, damit hatte ich mich früher nicht auseinandergesetzt. Ich habe zwar über lange Strecken meines Lebens immer wieder Tagebuch geführt, aber das interessiert niemanden, das ist einem ja selber peinlich, wie sich alles im Kreis dreht und nichts vom Fleck kommt. Das geht gar nicht. Dann habe ich die Tagebücher weggelegt und frei geschrieben, und wenn ich etwas wissen wollte, bin ich gezielt an einen der Kartons gegangen.

          Wussten Sie denn von Anfang an, was Sie sagen und was Sie lieber verschweigen wollten?

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