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Im Gespräch: Roland Koch Was haben Sie gegen Nikolaus Brender?

Dem hessischen Ministerpräsidenten wird vorgeworfen, seine Macht beim ZDF auszuspielen und den Vertrag mit Chefredakteur Brender nicht verlängern zu wollen, weil der Sender politisch zu unabhängig erscheint. Jetzt wehrt sich Roland Koch.

© Wonge Bergmann Vergrößern „Es gibt ein Spannungsverhältnis zwischen Innenansicht und Außenansicht”: Roland Koch zur Causa Nikolaus Brender

Dem hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch wird vorgeworfen, seine Macht beim ZDF auszuspielen und den Vertrag mit Chefredakteur Brender nicht verlängern zu wollen (siehe auch: Kommentar zum Fall Brender: Es geht ums Prinzip). Im Gespräch mit der F.A.Z. verteidigt Koch seine Haltung.

Herr Ministerpräsident, warum wollen Sie den Vertrag des ZDF-Chefredakteurs Nikolaus Brender nicht verlängern?

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Wenn die Verträge von leitenden Direktoren auslaufen, hat der Verwaltungsrat die Aufgabe, die Entwicklung in den Arbeitsbereichen zu prüfen. Und da haben eine Reihe von Verwaltungsratsmitglieder – auch ich – Fragen gestellt. Diese Fragen betreffen nicht, wie öffentlich kolportiert wird, parteipolitische Zusammenhänge, sondern die betreffen ganz handfest: Wie hat sich die Informationssparte des ZDF in den letzten sieben, acht Jahren entwickelt? Können wir im Wettbewerb mit anderen damit zufrieden sein? Und die Frage ist auch, wie ist das innere Klima in den Redaktionen beim ZDF? Ist da genug Freiheit und Kreativität vorhanden? Oder besteht die Möglichkeit, durch eine andere Leitung neue Impulse zu setzen? Das ist wahrlich keine illegitime Diskussion, sondern Aufgabe des Verwaltungsrates.

Und Sie beantworten all diese Fragen nicht im Sinne von Herrn Brender?

Man muss diese Diskussion mit ein paar Fakten beginnen, und die sind sehr bitter. „Heute“ hat seit 2002 26 Prozent seiner Zuschauer verloren. 2008 wurden wir erstmals von „RTL aktuell“ überholt, liegen also hinter „Tagesschau“ und der RTL-Sendung nur noch auf Platz 3. Das hätte sich vor fünf Jahren sicher kein Mitarbeiter des ZDF vorstellen können. Das „Auslandsjournal“ hat heute 56 Prozent weniger Zuschauer, der „Länderspiegel“ 16 Prozent. Das „Heute Journal“ hat 10 Prozent weniger Zuschauer - im Gegensatz dazu haben die „Tagesthemen“, die ja keinen privilegierten Sendeplatz haben, ihre Zuschauerzahl halten können. Es ist die Pflicht des Verwaltungsrates, solche Negativentwicklungen zu erörtern. Und es ist unsere Aufgabe, nicht jede Debatte über diese Fragen als eine politische oder gar parteipolitische diskreditieren zu lassen. Denn um eine solche Debatte geht es bei der Vertragsverlängerung des Chefredakteurs auf gar keinen Fall.

Wie kommt es, dass Sie diese Fragen jetzt zum ersten Mal öffentlich formulieren?

Es war bisher eine Debatte in den Gremien des ZDF, wo sie nach meiner Meinung auch hingehört. Lediglich die Tatsache, dass sie in den letzten Tagen – leider auch von Mitarbeitern des ZDF – politisiert wurde, führt dazu, dass ich jetzt auch eine öffentliche Debatte führe. Wir haben an dieser Form der Diskussion kein Interesse. Sie dient dem ZDF ganz sicher nicht.

Beeindruckt es Sie nicht, dass die Hauptabteilungs- und Abteilungsleiter und prominente ZDF-Mitarbeiter Ihr Urteil nicht teilen – sowohl was die Qualität von Brender angeht, als auch die wahre Motivation hinter dieser Debatte?

Der Staatsvertrag des ZDF gibt dem Verwaltungsrat ganz bewusst und eigentlich nur die Aufgabe, im Einvernehmen mit dem Intendanten Personalentscheidungen zu treffen. Das kann nicht in einer Weise geschehen, in der es zu einer Veranstaltung einiger Mitarbeiter wird. Die Unterschriften machen mich tatsächlich in doppelter Hinsicht besorgt. Zum einen glaube ich, dass es nicht gut ist für das Image des ZDF, die Diskussion in dieser Weise in die Öffentlichkeit zu tragen. Zum anderen registriere ich auch, dass sich viele sehr gedrängt gefühlt haben, eine äußere Solidarität zu zeigen, obwohl es intern in den letzten drei, vier Jahren eine sehr viel offenere Diskussion über Führungs- und Strategiefragen im Informationsbereich des ZDF gegeben hat, denken Sie nur an die massive Kritik der Auslandskorrespondenten.

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