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Im Gespräch: Peter Singer Sind Sie der gefährlichste Mann der Welt?

Wir treffen den Philosophen und Bioethiker Peter Singer in Frankfurt auf der Terrasse seines Hotels. Das Mineralwasser, das er sich wegen der sommerlichen Hitze bestellt, wird er wohl nicht bedenkenlos genießen können, wie wir später erfahren.

© Burkhard Neie/xix

Worum handelt es sich bei Ihrem sogenannten Great Ape Project?

Mit dem Great Ape Project fordern wir Grundrechte, die bisher Menschen vorbehalten sind, auch für Menschenaffen. Das heißt: das Recht auf Leben, das Recht auf Freiheit und ein Verbot von Folter. Wir wollen zum ersten Mal einem nichtmenschlichen Wesen solche Grundrechte geben, um so eine Brücke zwischen Menschen und Tieren zu schlagen. Wir fangen mit Menschenaffen an, weil sie so eng mit uns verwandt sind. Aber was noch wichtiger ist: Bei ihnen haben wir sehr viele Beweise, dass sie vernünftige und fühlende Tiere sind, dass sie ein Selbstbewusstsein besitzen, dass sie Wünsche für die Zukunft haben. Wenn so eine, ich möchte sagen: „Person“ keine Grundrechte hat, wie können wir dann rechtfertigen, dass alle Menschen Grundrechte haben?

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Mit Ihrem Buch „Animal Liberation“ waren Sie in den siebziger Jahren einer der Gründerväter der modernen Tierrechtsbewegung. Momentan ist das Thema ja en vogue und Vegetarismus populär wie nie. Sind Sie zufrieden?

Ich kann nicht zufrieden sein, weil wir immer noch ungeheure Dinge mit Tieren tun. Wir töten heute noch mehr Tiere als in den siebziger Jahren, 50 bis 60 Milliarden im Jahr. Man kann sich kaum vorstellen, wie viele das sind. Trotzdem haben wir Fortschritte gemacht. Zumindest im Westen hat man langsam eine andere Einstellung zu Tieren entwickelt. In der Europäischen Union gibt es jetzt Gesetze, die nach und nach die schlimmsten Teile der industriellen Tierhaltung verbieten. So werden beispielsweise vom nächsten Jahr an die Bedingungen bei der Käfighaltung von Legehühnern verbessert. Aber das ist natürlich bei weitem nicht genug.

Sie haben aber die Hoffnung, dass diese Entwicklung so weitergeht?

Natürlich habe ich Hoffnung, dass immer mehr Leute kein Fleisch essen oder wenigstens keine Produkte aus den Tierfabriken kaufen. Und dass man anerkennt, dass jedes Tier ein Recht hat, ein anständiges Leben zu führen, in dem es seinen Instinkten folgen kann. Ich hoffe, dass wir eines Tages so weit gehen werden.

2006 haben Sie aber noch gesagt, an der Universität Oxford durchgeführte Versuche an Affen seien gerechtfertigt - sehr zum Ärger verschiedener Tierrechtsorganisationen.

Ich bin Utilitarist. Das bedeutet, dass ich eine Handlung nach ihren Folgen beurteile. Führt sie zu mehr Glück als Leiden, dann ist sie gut. Außerdem bin ich dafür, dass man die Interessen der Tiere genauso erwägt wie die der Menschen. Wenn es also wirklich so wäre, dass man in Oxford mit einem Experiment an hundert Affen ein Mittel gegen Parkinson entdecken und damit Hunderttausenden oder sogar Millionen von Menschen helfen würde, dann könnte ich das rechtfertigen. Wenn es sich um eine so kleine Anzahl von Versuchstieren handelt und es keine andere Möglichkeit gibt, eine Therapie für eine solche Krankheit zu finden, dann sollte man das machen.

Nun wirft man Ihnen ja vor, Sie würden einerseits den Wert tierischen Lebens stärken, während Sie andererseits die Würde menschlichen Lebens schwächen wollen.

Das ist ein Missverständnis. Ich will die Würde menschlichen Lebens nicht senken. Ich möchte die Würde der Tiere erhöhen. Und ich glaube, dass es eine Gewähr dafür ist, dass wir uns auch anderen Menschen gegenüber besser verhalten, wenn wir Tiere in die Gemeinschaft der Wesen mit Rechten aufnehmen. Dann kann man beispielsweise nicht mehr sagen: Dieser Mensch ist nicht so vernünftig, wir können also schmerzhafte Forschungen an ihm vornehmen.

Dennoch sind Ihre ethischen Thesen für viele eine Provokation, da es für Sie offensichtlich kein absolutes Tötungsverbot gibt.

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