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Im Gespräch: Gabriel und Hollande Ziemlich beste Freunde

Eine Premiere: Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel und der französische Präsidentschaftskandidat François Hollande geben ein Interview. Und sie haben noch mehr vor, gemeinsam.

© dapd Vergrößern Sigmar Gabriel und François Hollande Anfang Dezember auf dem Bundesparteitag der SPD

Wir wollten Ihnen ein neues Wort vorschlagen und Sie fragen, was Sie davon halten? Solche Wortneubildungen sind ja in Mode, „Merkozy“ zum Beispiel. Was halten Sie von „Gablande“? Oder „Horiel“?

Hollande: Ich bin gegen eine solche Verschmelzung der Nachnamen. Unter Freundschaft verstehe ich nicht die Verschmelzung von zwei Personen zu einem hybriden Wesen, das dann über Europa bestimmt, sondern die gemeinsame Arbeit an politischen Grundlagen. Jeder soll seine Identität behalten, da soll keine Verwirrung entstehen.

Gabriel: Diese Begriffsschöpfung hält ja der Wirklichkeit nicht stand. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Frau Merkel die antieuropäischen Stimmungen, die Sarkozy gerade verbreitet, gut findet. Es wäre spannend zu hören, was sie bei einem Besuch in Frankreich zu dem von Präsident Sarkozy angekündigten Ausstieg aus dem Schengen-Abkommen oder zu seinen protektionistischen Vorstellungen sagen würde. Darin vermute ich auch den Grund, warum sie einen zweiten Fernsehauftritt mit Sarkozy derzeit - gelinde gesagt - nicht zwingend anstrebt.

So ein Doppelinterview ist ja eine Premiere. Würden Sie uns zu Beginn erzählen, wie Sie das Land des jeweils anderen kennengelernt haben, in Kindheit und Jugend?

Hollande: Meine Eltern haben den Zweiten Weltkrieg erlebt, meine Großeltern den Ersten Weltkrieg. Ich bin also ein Kind beider Kriege. Und doch hat mir meine Familie nie das geringste antideutsche Gefühl vermittelt. Ich habe dann im Gymnasium Deutsch gelernt, wovon mir leider wenig geblieben ist - was aber nun nicht die Schuld Deutschlands ist, sondern meine eigene. Als Gymnasiast war ich mehrmals in Deutschland, damals in einem Verein, der internationale Jugendzeltlager ausgerichtet hat. Ich verbrachte einen Monat in der Nähe von Frankfurt am Main. Auch danach war ich immer wieder in Deutschland, das brachten meine Ämter mit sich. Dann kam die Wiedervereinigung. François Mitterrand hat zwar behauptet, er habe sie kommen sehen, aber ich war doch sehr verblüfft, auch von der Geschwindigkeit des Vollzugs und von den großen Anstrengungen, die unternommen wurden, damit sie gelingt. Als Lionel Jospin und Gerhard Schröder an der Spitze der Regierungen unserer Länder standen, war ich Erster Sekretär meiner Partei - das, was ihr Parteivorsitzender nennt. Die Beziehung von Schröder und Jospin war nicht schlecht. Allerdings wurde Frankreich zum damaligen Zeitpunkt in der sogenannten Kohabitation regiert, mit dem Konservativen Chirac als Präsident und dem Sozialisten Jospin als Premierminister. Und dann kam Tony Blair und versuchte, Schröder politisch an sich zu binden. Dies alles hat in einem entscheidenden Moment verhindert, eine wirklich gemeinsame Politik von Sozialisten, Sozialdemokraten und Labour für Europa hinzubekommen, was ich stets bedauert habe.

Gabriel: In der Familie meines Vaters gab es noch antifranzösische Ressentiments. Meine Großmutter sang noch das Lied vom „Franzos mit der roten Hos’“. Früher war auch noch vom „Erbfeind“ die Rede. Gegenüber Polen waren diese Vorurteile noch stärker ausgeprägt. Ich hab mit all dem nichts anfangen können und habe, erst viel später verstanden, welche Ressentiments da eine Rolle spielten. Ich gehörte als Jugendlicher den „Falken“ an...

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