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Sonntag, 12. Februar 2012
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ICE-Sauna Bei der Hitze!

12.07.2010 ·  Der Störfall vom Wochenende mit Dutzenden von Kollabierten macht deutlich: Die Bahn ist mir ihrem Getue um das Bordbistro auf dem Holzweg. Sie sollte sich stattdessen mehr um die Wartung ihrer Züge kümmern.

Von Edo Reents
Artikel Lesermeinungen (6)

Gehört die Sauna jetzt auch zum Service der Deutschen Bahn? Oder ist das ein besonders subtiler Beitrag zu der öden Diskussion über die „Servicewüste Deutschland“? Eine Lehrerin behauptete am Sonntag jedenfalls, in einigen ICE-Wagen seien „bis zu siebzig Grad“ gemessen worden; realistischer sind wohl die offiziellen und selbst von der im Abwiegeln ja bestens geübten Bahn nicht bestrittenen fünfzig Grad; die sind auch ganz schön mollig.

Man hört quasi schon die geschwätzigen Zugchefs: „Lassen Sie den Feierabend ausklingen in unserer Sauna, wo wir Sie wahlweise mit Fichten-, Eukalyptus- oder Latschenkiefer-Aufgüssen verwöhnen. Kunden der ersten Klasse werden von unserem freundlichen Masseur hinterher noch ordentlich durchgeknetet, selbstverständlich an Ihrem Platz.“ Pech nur, dass Sommer ist, da gehen die Leute lieber ins Freibad. Aber so ist das: Im Sommer ist es manchmal sehr heiß, im Winter manchmal sehr kalt.

Zehn Minuten Verspätung? Dafür will ich jetzt aber ein Eis haben!

Und wer sich darauf offenbar nicht einstellen kann, das ist die Deutsche Bahn. Im Winter hatten die Züge Verspätung, weil der Frost angeblich zu stark war und die Bremsen deswegen nicht richtig funktionierten; jetzt, im Hochsommer, fallen die Klimaanlagen aus - warum, will man gar nicht so genau wissen. Tatsache ist, dass sie ausfallen, und das ist nicht gut. Diese Feststellung hat nichts damit zu tun, dass man als Fahrgast - standhaft weigern wir uns, als „Kunde“ bezeichnet zu werden - bei jeder Kleinigkeit losplärren wollte: Was, zehn Minuten Verspätung? Dafür will ich jetzt aber ein Eis haben! Es ist eben nicht möglich und meistens auch gar nicht nötig, dass immer und überall Kaltgetränke und andere Beschwichtigungsmittel bereitstehen.

Der Störfall vom Wochenende aber, mit Dutzenden von Kollabierten, sollte das Augenmerk der Öffentlichkeit darauf lenken, dass die Bahn einfach auf dem Holzweg ist. Ein Sprecher erklärte frech und uninformiert, es seien ja nur drei von vierzehnhundert Fernzügen betroffen gewesen. Man stelle sich vor, die Lufthansa würde so reden. Auch wenn die technisch-logistischen Zusammenhänge zu kompliziert für einfache Forderungen sind - es dürfte nicht zu viel verlangt sein, dass die Bahn endlich mit ihrem Getue um ihr Bordbistro aufhört und sich statt dessen mehr um die Wartung ihrer Züge kümmert. Aber da sind Hopfen und Malz wohl verloren. Für diesen Monat präsentiert man, als gäbe es sonst nichts zu tun, den wilden Fernsehkoch Stefan Marquard: „Einen Punkrocker als Rezeptgeber hat es bei der Bahn bisher noch nicht gegeben.“ Nein, hat es nicht. Warum auch?

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