08.06.2007 · „Phantom Truck“ nennt der spanische Künstler Iñigo Manglano-Ovalle seine große documenta-Arbeit. Und ist damit den von Colin Powell im UN-Sicherheitsrat vorgestellten irakischen Lastwagen mit installierten Biowaffenlabors auf der Spur.
Von Thomas WagnerWer das Licht der Aufklärung in diesem Raum, ganz hinten in der documenta-Halle, gelöscht hat, wird einem bald klar. Betritt man den Raum, so scheint er auf den ersten Blick angefüllt mit feinem grauen Zwielicht, das auch dann nicht ganz weichen mag, wenn sich das Auge weit geöffnet und an die Dunkelheit angepasst hat. Wie der Schatten seiner selbst steht der mächtige Aufleger in der engen Halle.
„Phantom Truck“ nennt der spanische Künstler Iñigo Manglano-Ovalle seine große documenta-Arbeit. Und einem Phantom ist Manglano-Ovalle tatsächlich auf der Spur. Hinter dem rasterförmigen Gestell des Auflegers eines Sattelschleppers, von dem die schützende Plane entfernt wurde, erkennt man nach und nach allerlei Kisten und Gerätschaften, die sich nicht genauer identifizieren lassen und deren Funktion im Dunkel bleibt.
Lange schon beschäftigt sich der Künstler mit sozialen und politischen Grenzsituationen, wobei ihn besonders die Kräfte oder Systeme interessieren, die, ob natürlich oder vom Menschen gemacht, die Welt verändern. Auch sein Lastwagen-Phantom ist ein solches System. Bis in den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen ist dieses Phantom im Jahr 2003 vorgedrungen, damals, als Colin Powell, der Außenminister der Vereinigten Staaten, von der angeblichen Existenz beweglicher, auf Lastwagen installierter Biowaffenlabors im Irak des Saddam Hussein berichtete. Das Ende der Geschichte ist bekannt, bis hin zu Powells öffentlichem Bedauern. Da hatte das Phantom des Krieges seine Wirkung bereits getan und die Welt verändert.
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