15.12.2009 · Bayern zeigt sich spendabel, und Österreich legt noch ein paar hundert Millionen dazu. Leider ist das viele Weihnachtsgeld, das so zusammenkommt, von der „Hypo Group Alpe Adria“ längst verbraten und über den Balkan verstreut. Jetzt kann man es suchen gehen. Aber wo?
Von Dirk SchümerDer Advent ist die Zeit der Spendenaktionen und für christliche Großmut. Doch darf man schon andächtig den Lodenhut ziehen vor der bisher gewaltigsten Weihnachtssammelei aller Zeiten, gegen die in alpinen Breiten alle Sternsinger- und Peterspfennige zu bloßen Peanuts verblassen: 825 Millionen Euro kommen vom Freistaat Bayern, 200 Millionen vom Land Kärnten; Österreich gibt 450 Millionen, österreichische Banken legen glatt noch mal eine halbe Milliarde drauf. Wofür das alles? Klimafonds? Bergbauern? Mission im Zeichen von Papst Benedikt?
Schmarrn. Die Steuerzahler in Bayern und Österreich müssen jetzt ihr Geschenkebudget noch genauer kalkulieren und beim Ganslbraten die Gürtel enger schnallen – ist ja eh gesünder. Frohe Kunde: Das viele, viele Weihnachtsgeld wurde bereits komplett verbraten von der großzügigen Kärntner „Hypo Group Alpe Adria“ für Grundstücke, aber auch Nobelyachten und Privatjets aufstrebender Wirtschaftskapitäne auf dem Balkan. Dass „Hypo“ von „Hype“, vielleicht gar von „hypothetisch“ abgeleitet ist und sich auf die Rückzahlung bezog, hat man hinter den Alpen leider erst jetzt bemerkt. Hyponotisch wurden Bankgenies im Fahrwasser von Jörg Haider in Mazedonien, Bosnien oder Montenegro von bedürftigen Unternehmern angezogen, die eine günstige Zwischenfinanzierung für den Cashflow gut gebrauchen konnten. Gut, dass zwischen Aschaffenburg und Bregenz genug überschüssiges Kapital für solche Begehrlichkeiten herumlag.
Wo liegt das Geld?
Die mühsam angesparten Renten- und Kindergroschen darf „VdK-Horstl“ Seehofer nun wie der Weihnachtsmann über den Balkan ausstreuen. Und dass in Klagenfurt – was für ein schöner Name für eine fast bankrotte Stadt! – liberale Politiker eine Bank verstaatlichen, hätte Marschall Tito, in dessen Sprache die Kärntner Hauptstadt auf allen Ortstaferln sowieso Celovec heißt, gewiss gefallen. Genossenschaftliche Misswirtschaft nach jugoslawischem Muster in Jörgl Haiders ehrendem Angedenken – das ist zwanzig Jahre nach dem vermeintlichen Ende des Sozialismus doch für jeden Kleinsparer eine wärmende Neujahrsvision. Während die Miesen den jeweiligen Staats- und Landeshaushalten verbucht werden (ist ja nun eh wurscht), sollten sich die Revisoren der Rechnungshöfe einmal auf den legendären Hütchenspieler-Friedhöfen zwischen Prishtina und Podgorica umschauen und sich an jedem Grabstein die bohrende Frage stellen: Unser schönes Geld – liegt es hier? Oder hier? Oder hier?