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Humboldt-Forum Wollen wir uns das Berliner Schloss noch leisten?

Die kulturbürokratische Idee eines „Humboldt-Forums“ im Berliner Schloss wird den Baustopp nicht abwenden können. Zu tief ist die Kluft zwischen den Pragmatikern, die auf die Beschlusslage verweisen - und den Hundertfünfzigprozentigen, die endlich radikale Ideen fordern.

© dpa Vergrößern Das Modell des geplanten Stadtschlosses

Unter den Kulturfunktionären, die im wiedererrichteten Berliner Schloss ein „Humboldt-Forum“ betreiben möchten, geht es zu wie in einer Partei, die eine Wahl verloren hat. Gekränkt nehmen sie zur Kenntnis, dass kein Politiker der Erwägung, das Geld für den Schlossbau bis auf weiteres einzusparen, mit dem Argument entgegentritt, die Idee des „Humboldt-Forums“ dürfe nicht aufs Spiel gesetzt werden.

Verratsvorwürfe und Durchhalteparolen machen die Runde. In einer Sitzung bei Kulturstaatsminister Neumann soll der Kunsthistoriker Horst Bredekamp von der Humboldt-Universität den Minister dadurch irritiert haben, dass er in bitterem Ton Klage über die öffentliche Debatte führte. Die Öffentlichkeit will sich bislang nicht dafür begeistern, dass sie es ist, die in der Phantasie der Forumsgründer die Riesenräume des Schlosses in permanentem Palaver „bespielen“ soll. Hermann Parzinger, der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK), scheint es für klüger zu halten, die öffentliche Diskussion zu ignorieren, der man sich mit der Probeausstellung „Anders zur Welt kommen“ hatte stellen wollen. In einem Zeitungsartikel stellte Parzinger jüngst das Konzept des „Forums“ noch einmal vor, ohne das Bedenken auch nur zu erwähnen, es laufe auf einen intellektuellen Neokolonialismus hinaus, Buschmänner, Derwische und Schamanen nach Berlin zu laden, um sie im Angesicht der erhabenen Zeugen ihrer Vergangenheiten über die Zukunft des Planeten „verhandeln“ zu lassen.

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Die Sammlungen sind tot

Es gibt in der „Forums“-Partei die Pragmatiker, die auf die Beschlusslage verweisen. Und es gibt die Hundertfünfzigprozentigen, die fordern, man müsse die Idee so radikal formulieren, wie sie gedacht sei, dann werde sie endlich zünden. Im Sinne dieses jakobinischen Idealismus engagiert sich die private „Stiftung Zukunft Berlin“ des früheren Senators Volker Hassemer. Sie bittet in diesen Wochen zu Gesprächsabenden ins winzige Café der „Temporären Kunsthalle“ auf dem Schlossplatz. Die Veranstalter suchen Bestätigung für ihre Skepsis gegenüber der SPK als dem Hauptbetreiber des „Forums“ und gegenüber einem musealen Hauptinhalt. Die Sammlungen sind tot und müssen durch den Diskurs belebt werden – so eine Formel des eventmagischen Denkens.

Institutionen sollen in der Gesprächsreihe ihre „Erwartungen an das Humboldt-Forum“ formulieren. Am Donnerstag waren die wissenschaftlichen Akademien an der Reihe, höchstrangig vertreten durch Günter Stock, den Präsidenten der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, und Bärbel Friedrich, Biologin an der Humboldt-Universität und Vizepräsidentin der Leopoldina, die seit 2008 als Nationalakademie fungiert. Beide Forschungsmanager stellten eine förmliche Mitwirkung der Akademien im „Forum“ in Aussicht. Die „Formate“, die sie skizzierten, fallen allerdings sämtlich unter Öffentlichkeitsarbeit: Kongresse, Vorträge, naturwissenschaftliche Demonstrationen.

Frau Friedrich, die durchweg nüchterner redete als Stock, nannte als Vorbild eine Forschergruppe, die auf dem Ökumenischen Kirchentag über den Blutkreislauf informiert habe. Dass sich, wie unter Berufung auf Leibniz, den Gründerheros der Berliner Akademie, ausgemalt wird, die Wissenschaft durch die Präsenz der völkerkundlichen Objekte und der leibhaftigen Nachfahren der beraubten Völker inspirieren lassen könnte, wurde ausgeschlossen. Die Sammlungen gäben sicherlich einen schönen Rahmen für Veranstaltungen ab, stellte Frau Friedrich fest, aber Forschung würde im „Forum“ nicht betrieben werden. Also keine gläsernen Labors für Gastwissenschaftler Tür an Tür mit den Ateliers für die Gastkünstler von den Enden der Welt. Zwar hält Stock die Gründung eines weiteren Kollegs für Gelehrtenweltreisende für eine gute Idee (die Karte fehlte George Clooney in der Sammlung in „Up in the Air“: „und hier ist mein Exzellenzforscherausweis“), aber die Akademie würde ihre Kollegiaten dort arbeiten lassen, wo sie das knappste Gut des Wissenschaftsbetriebs genießen könnten: Ruhe.

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