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Humanoiden-Serie : Liebe deinen Roboter wie dich selbst

  • -Aktualisiert am

Serienproduktion: Die Hubots kommen von der Stange, entwickeln aber bald das individuelle Bedürfnis nach Emanzipation Bild: © Johan Paulin

Die schwedische Serie „Echte Menschen“ zeigt, wie das Zusammenleben mit Maschinenwesen aussehen könnte. Ganz ohne Schockeffekte kommt man da nicht aus.

          Weiten, Wälder, abgemurkste Rentner, eigentlich ein Fall für Wallander. Aber Schweden kann mehr als Krimis. Weit vorne ist man beispielsweise im Roboterbau. Kürzlich hat die bedeutende Robotik-Dachorganisation „Robotdalen“ alle Schweden gebeten, ihre Wohnungen abzufilmen. Mit den Daten wolle man die Entwicklung eines putzenden und den Abwasch machenden Haushaltsroboters perfektionieren, denn an der Vielfalt der Welt verzweifelt bislang jeder Automat. In erster Linie war die Aktion aber wohl Teil von Robotdalens Kampf um Anerkennung. Laut Adam Hagman, der als Entwickler in diesem Cluster arbeitet, haben Roboter nämlich ein Imageproblem, zumal wenn es um ihren Einsatz in der Nähe des Menschen geht. Die Vorteile etwa in der Pflege, Hagmans Spezialgebiet, würden oft ignoriert.

          Dabei leuchtet es doch ein: nie wieder schlechte Laune auf dem Krankenhausflur, nie wieder Dienstschluss, nie wieder Ärger mit Gewerkschaften. Oder doch? Vor welche Probleme allzu künstlich-intelligente Maschinenwesen die Welt stellen könnten, das geben uns nun ebenfalls die Schweden zu bedenken, und zwar in der höchst originellen und exzellent gespielten Fernsehserie „Echte Menschen“ (“Äkta Människor“), die als Geheimtipp durch die Serien-Szene geistert. Als sicheres Zeichen für Qualität darf man werten, dass schon ein englischsprachiges Remake in Planung ist. Arte hat dankenswerterweise zugegriffen und zeigt in den kommenden fünf Wochen die erste Staffel von „Echte Menschen“ in Doppelfolgen.

          Finde den Roboter!  Hubot Anita (Lisette Pagler, zweite von rechts) sprengt den Familienfrieden
          Finde den Roboter! Hubot Anita (Lisette Pagler, zweite von rechts) sprengt den Familienfrieden : Bild: © Johan Paulin

          Die Serie spielt in einer schwedischen Kleinstadt, verzichtet aber bewusst auf Lokalkolorit. Es soll ein Irgendwo in der nahen Zukunft sein. Die als Arbeiter und Haushaltshilfen massenhaft eingesetzten Roboter sind freilich um einiges humanoider - daher auch „Hubots“ genannt - als jene noch arg an einen Hochdruckreiniger erinnernde Robotdalen-Konstruktion. Man kann die Hubots von Menschen eigentlich nur dadurch unterscheiden, dass sie allzu perfekt wirken: makellos ihre Plastikhaut, konzentriert ihre Bewegungen. Gerade die Perfektion führt denn auch zu ersten Schwierigkeiten: Kinder ziehen die Hubots ihren Müttern vor, Frauen verlassen ihre wortkargen Männer, um mit den stets aufmerksamen Hausfreunden zusammenzuleben (in Holland dürfen sie gar heiraten). Männer wiederum sehen weibliche Hubots als Sexspielzeug an. Kurz: Die Hubots sind das Internet von morgen.

          Im Zentrum steht die sympathische Familie Engman. Sie erhält ihren ersten Haushaltsroboter, eine Dreingabe zum Erwerb eines regelrechten Hausdrachens für Inger Engmans alleinlebenden Vater. Hubot Anita, das kostenlose Zusatzexemplar, wird dagegen schnell zu einem ordentlichen Familienmitglied, und die Frage stellt sich: Was darf man sich ihr gegenüber herausnehmen? Überhaupt geben diese hypermodernen Sklaven der so aufgeklärten schwedischen Gesellschaft Gelegenheit, heimliche Herrschaftsgelüste auszuleben. Freilich unterscheidet sich das Ergebnis wenig vom kolonialherrenhaften Verhalten, das in reichen Ländern Migranten und Deklassierten entgegenschlägt.

          Zurück zur Natur: ein Androidentrupp im Widerstand
          Zurück zur Natur: ein Androidentrupp im Widerstand : Bild: © Johan Paulin

          Alltagskomödie, Technikphilosophie und Gesellschaftskritik, eigentlich hätte das schon ausgereicht. Doch die Macher haben eine weitere Handlungsebene hinzugefügt, die immer stärker in den Vordergrund tritt: Die Roboter lehnen sich auf. Eine kleine Truppe hat sich befreit und zieht durch die Wälder, angeführt von der kompromisslosen Roboterfrau Niska und dem hübschen Cyborg Leo. Diese Szenen kommen im Kontrast zu den überhellen Darstellungen der heilen Technikwelt sehr düster daher, machen genüsslich Anleihen beim Zombie- und Horrorfilm. Derweil rauben Hubot-Schwarzhändler eine der Flüchtigen, ausgerechnet die Geliebte Leos. Bald wird klar, dass Hubot Anita mit jener geraubten Mimi übereinstimmt. Die beiden Handlungsstränge laufen damit unweigerlich aufeinander zu.

          Es geht den Outlaws, die sogar einen eigenen Willen entwickelt haben, nicht um die Weltherrschaft wie in der klassischen Science-Fiction, sondern um das nackte Überleben. Sie wissen, dass sie nur wenigen Menschen so vertrauen können wie Leo und dessen Vater, einer Art modernem Doktor Frankenstein, der an ihrer Befreiung Anteil hatte. „Die Mehrheit von ihnen“, sagt Niska über die Menschen, „gehört einer Gesellschaft an, die uns hasst und zerstören will.“ Tatsächlich wird die radikale antihubotistische Bewegung „Echte Menschen“ immer stärker. Beide Seiten rüsten auf.

          Was eben noch harmlose Soap schien, zeigt jetzt die Genese eines Bürgerkriegs. In origineller Verdrehung ist der liebenswerte Leo dabei ein umgekehrter Neo, wie jener Menschen-Held in „Matrix“ hieß. Aber ganz so leicht ist das mit der Sympathielenkung diesmal nicht, denn es waren just die unterdrückten Partisanen-Hubots, die das Rentnerpaar wallander-mäßig meuchelten. Aber dafür gibt es auch eine andere Begründung als Robotergrausamkeit: Lars Lundström, der Autor der Serie, hat eine Menge „Wallander“-Drehbücher geschrieben. Ganz ohne Schocker kommt man danach nicht mehr aus.

          Real Humans - Echte Menschen beginnt am Donnerstag um 21 Uhr bei Arte, danach bis zum 2. Mai jeweils am Donnerstag um 20.15 Uhr.

          Quelle: F.A.Z.

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