http://www.faz.net/-gqz-7k26s

Horst Buchholz : Der fremde, schöne Deutsche

  • -Aktualisiert am

Horst Buchholz 1954 in „Marianne“ von Julien Duvivier. Bild: INTERFOTO

An diesem Mittwoch wäre der Schauspieler Horst Buchholz achtzig Jahre alt geworden. Er war ein Weltstar für kurze Zeit, der danach nirgends mehr Fuß fasste.

          Lebenshunger und Lebensangst: das mögen die beiden Antriebe des Horst Buchholz gewesen sein. Von den ersten Filmen an, Mitte der fünfziger Jahre, ist da stets beides auszumachen. „Halb Engel. Halb Teufel“ benannte es Sohn Christopher Buchholz einmal. Die zwei Seiten dieses ewigen, von Zeitlosigkeit umwehten Berliner Burschen, der zwölf ist, als der Krieg vorbei ist, der früh unabhängig und selbständig sein muss, sich mit Jobs durchschlägt und der den Vater nie kennenlernt. Er war ein ungewolltes Kind. Am Ende ist es die Angst, die ihn auffrisst.

          Das Filmmuseum München widmet dem Schauspieler, der auch einmal, viel zu kurz nur, ein internationaler Star war und an diesem Mittwoch achtzig Jahre alt geworden wäre, gerade eine über zwei Monate laufende umfassende Retrospektive. „Marianne“, Buchholz’ zweite Rolle überhaupt vor einer Kamera, bildete den Auftakt: Der französische Regisseur Julien Duvivier, Zeitgenosse von Marcel Carné und Jean Renoir, dreht den Schwarzweißfilm im Jahre 1954 im Salzkammergut rund um Schloss Fuschl sowie in den Münchner Studios in Geiselgasteig – ein eigenwilliger Genre-Mix aus Märchenhaftem und Jugendstück, basierend auf Peter de Mendelssohns Novelle „Schmerzliches Arkadien“. Buchholz strahlt da schon mit seinem Charisma. In Nebenrollen, ganz jung, sind der spätere Regisseur Michael Verhoeven sowie Michael Ande (später einmal der ewige Assistent des „Alten“ im ZDF) zu sehen.

          Der Halbstarke

          Seit Georg Tresslers eine ganze Generation prägendem legendärem Schwarzweiß-Porträt „Die Halbstarken“ (mit der sechzehnjährigen Karin Baal in ihrem Debüt) wird Buchholz als der „deutsche James Dean“ bezeichnet. Eine Kategorisierung, die er Zeit seines Lebens nicht mehr ganz loswird. Dabei hat er viel mehr noch als mit der früh verstorbenen Ikone Dean mit dem nahezu gleichaltrigen Alain Delon gemein: Delon, zwei Jahre nach Buchholz geboren, trägt diese Ambivalenz in sich, dieses herablassend Erhabene.

          Helmut Käutner besetzt Buchholz gleich zweimal – zunächst in dem düsteren, kargen Nachkriegsdrama „Himmel ohne Sterne“ (1955), das die deutsch-deutsche Teilung vor dem Hintergrund einer tragischen Liebesgeschichte thematisiert. Ost und West, die DDR und die BRD – Käutner zeigte Buchholz als russischen Soldaten Mischa, der mit dem Vater der ostdeutschen Protagonistin Anna (Eva Kotthaus) Schach spielt und ein passionierter Fahrradfahrer ist. Zwei Jahre später tritt „Hotte“, wie ihn seine jüngere Halbschwester Heidi taufte, an der Seite der neunzehnjährigen Romy Schneider, mit der er zuvor in Josef von Bakys „Robinson soll nicht sterben“ (1956) spielte, in Käutners farbenprächtiger Paris-Romanze „Monpti“ (1957) auf, als ungarischer Zeichner in Paris.

          Das Greenhorn neben den alten Helden

          Die beiden Käutner-Filme könnten disparater nicht sein in Stil und Form, in ihrer Visualität, aber Buchholz, der jeweils den Außenseiter fremder Sprache spielt, verbindet sie und fällt aus beiden zugleich heraus. Für die Nebenrolle des Russen Mischa in „Himmel ohne Sterne“ erhielt er den Bundesfilmpreis in Silber und den Bambi, äußere Zeichen der Glanzzeit des nicht einmal Dreißigjährigen, die Höhepunkte einer – sich kurzzeitig international entwickelnden – großen Karriere folgen Schlag auf Schlag: „Tiger Bay“ (1959) von J. Lee Thompson, John Sturges’ Western „Die glorreichen Sieben“ (1960), mit dem siebenundzwanzigjährigen Greenhorn Buchholz neben den Heroen Yul Brunner, Charles Bronson und Steve McQueen, dann Billy Wilders in München gedrehter Berlin-Film „Eins, Zwei, Drei“ (1961) und die Hollywood-Produktion „Neun Stunden zur Ewigkeit“ (1962) von Mark Robson. Der jungenhafte aufgeladene schöne Mann vom Prenzlauer Berg lebt nun im Ausland, spricht sechs Sprachen fließend.

          Weitere Themen

          Eine Art von Normalität

          CSU-Parteitag : Eine Art von Normalität

          Auf dem Parteitag in Nürnberg will die CSU unbedingt Geschlossenheit demonstrieren, auch im Verhältnis zwischen der neuen Doppelspitze. Notfalls auch mit einem Kniff.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.