31.10.2008 · Kein Kürbis in meinem Büro, in den ich in mühsamer Handarbeit zwei Kandidatengesichter schnitze. Stattdessen schickt mich Tocqueville ins Museum: Wen wählt, wer die Kunst liebt und wer sie bewacht?
Von Felicitas HoppeMein schärfster Konkurrent ist der Kostümhändler (BuyCostumes. com) auf der Connecticut Avenue, der seit Jahren Halloweenmasken vertreibt. Kandidatenmasken stehen hoch im Kurs. Verkaufte Maske - gültige Stimme. Der Händler irrt nie. Alle vier Jahre macht er das Rennen; er weiß genau, wer ins Weiße Haus zieht. Trick oder Treat?
Am Vorabend zu Allerheiligen ist der Laden gestopft voll mit Leuten, die sich mit Requisiten der Beschwörung versehen: erleuchtete Gummiskelette, Strohmänner, Kerzen und Kürbisse, die man später um ihren Inhalt bringt. An der Wand die riesige Wahlmaskenkarte, die landesweit jeden Verkauf registriert. Der Präsident ist tot - es lebe der Präsidentenhandel!
Der Wärter hat seine Wahl getroffen
Tocqueville weigert sich, das Kostüm zu tragen, das ich für ihn erstanden habe: „Das Stück ist immer das gleiche.“ Also gut. Kein Kürbis in meinem Büro, in den ich in mühsamer Handarbeit zwei Kandidatengesichter schnitze, ein doppeltes Lächeln über dem Abgrund. Stattdessen schickt er mich ins Museum: Wen wählt, wer die Kunst liebt und wer sie bewacht? Noch einmal „Corcoran Gallery“, um im dortigen Souvenirgeschäft die gestohlene Wahlseife nachzukaufen. Nebenbei stellt hier Richard Avedon aus, Portraits of Power, von JFK bis Obama. McCain sucht der Besucher vergebens.
Durch die Reihe der großen Bilder wandernd, betrachte ich nicht die Mächtigen, sondern den scheinbar reglosen Wärter, der neben der Tür steht und seinen eigenen stillen Wahlkampf betreibt, indem er den Katalog bewacht, in dem ahnungslose Besucher blättern, die nichts von privater Erhebung wissen. Sobald ein Besucher den Saal verlässt, geht der Wärter zum Katalog hinüber, kontrolliert das aufgeschlagene Bild, um im Zweifelsfall rasch das Blatt zu wenden, bis sein Wunschkandidat wieder offenliegt. Der Wärter hat seine Wahl getroffen. Als er sieht, was ich sehe, lässt er die Maske fallen und lacht.