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Hoppes Wettbüro 2 Innen Obama, außen Palin

30.10.2008 ·  Die Geschäfte in Washington kommen in Gang, die Aktien steigen, nebenbei blüht der Handel mit Devotionalien. Teil Zwei unserer Serie „Hoppes Wettbüro“, im heißen amerikanischen Wahlkampf eröffnet von der Schriftstellerin Felicitas Hoppe.

Von Felicitas Hoppe
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Frische Tapeten fürs Wettbüro. Auf der rechten Seite: „Wer zögert, verliert!“, auf der linken: „Wetten jetzt! Wer früher setzt, kennt den Sieger länger!“ Wir nehmen auch Kleingeld, mit fünfzig Cent aufwärts ist jeder dabei. Das Geschäft kommt in Gang, die Aktien steigen, nebenbei blüht der Handel mit Devotionalien. Die Obama-Tasche gerät ins Abseits, die Anziehpuppen verkaufen sich reißend, solange die Kleiderfrage noch Schlagzeilen macht.

Weit vorn auf Platz eins das von Tocqueville entworfene „doppelte T-Shirt“ (handmade!) in vier Variationen: Auf der Brust Obama, auf dem Rücken McCain, McCain auf der Brust und Obama im Rücken. Oder: innen Obama, außen Palin, außen Biden und innen McCain: „Es ist wirklich schwer einzusehen, wie Menschen, die der Gewohnheit, sich selbst zu regieren, vollständig entsagt haben, imstande sein könnten, diejenigen auszuwählen, die sie regieren sollen.“

„Und für wen stimmen Sie?“

Tocqueville denkt, und ich komme zu Geld. Eröffne ein neues Konto, bei einer anderen Bank. Der Beamte verspricht einen höheren Zinssatz, füllt leichthändig Formulare aus und erklärt mir, als er den deutschen Pass sieht, die Krise anhand eines deutschen Märchens. Kein Banker, der nicht die Grimmbrüder kennt und weiß, wie man Stroh zu Gold spinnt. Das Geheimnis des Scheiterns hat auch in Übersee einen deutschen Namen: „Rumpelstilzchen-Syndrom“. Alles eine Frage der Einbildungskraft. Verkaufen, was es nicht gibt. An den, der nichts hat. Und sich am Ende vor Wut in zwei Hälften reißen. Während ich mit rechts unterschreibe, schiebe ich mit links einen Wettschein über den Tisch: „Und für wen stimmen Sie?“ Der Beamte lacht: „Für den Müller, der seine Tochter verkauft!“

Auf dem Rückweg zum Wettbüro leise Zweifel an meinem Geschäft, als ich an einer Ampel zum Stehen komme. DC ist die Stadt der sportlichen Ampeln, statt des Fußgängergrüns ein Sekundenzeiger, der jeden Fußgänger zum Kandidaten macht: RUN! You've got 20 more seconds to cross that street. Straßenverkehr als memento mori. Don't worry, keep going, noch bist du ganz. Wer zögert, verliert!

Die Schriftstellerin Felicitas Hoppe, Jahrgang 1960, ist zurzeit Gastprofessorin in Washington, wo sie bis zur Präsidentschaftswahl ein literarisches Wettbüro unterhält.

Quelle: F.A.Z.
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