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Hoppes Wettbüro 1 Nachsicht mit dem Bankrotteur

29.10.2008 ·  Die Schriftstellerin Felicitas Hoppe, derzeit Gastprofessorin in Washington, hat vor der Wahl ein literarisches Wettbüro eröffnet. Wer will, kann bei ihr gegen Barzahlung auf den zukünftigen Präsidenten wetten. Über ihre Erfahrungen und Kunden berichtet sie täglich auf FAZ.NET.

Von Felicitas Hoppe
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Letztes Wettbüro am Dupont Circle eröffnet. Zehn Minuten vom Weißen Haus. Annahme von Wettscheinen, die zukünftige Präsidentschaft der Vereinigten Staaten von Amerika betreffend, ab sofort aufgrund der aktuellen Lage nur noch persönlich und gegen Barzahlung. Um die Miete zu zahlen, halte ich nebenbei an der Georgetown University ein Seminar zum Thema „Abenteuer und Ehre“. In den Mittagspausen lese ich Tocqueville und stoße auf Grund: „In Amerika entstehen und vergehen die Vermögen unaufhörlich . . . Die Industrie ist für dieses Volk wie eine große Lotterie . . . Daher zeigt man in Amerika eine eigentümliche Nachsicht mit dem Bankrotteur: seine Ehre wird durch ein solches Unglück nicht berührt.“

Mein erster Besucher ist ein Friseur, der um die Ecke auf der Zwanzigsten Straße seit Monaten für Obama kämpft und sein Schaufenster mit Handtaschen dekoriert: „What have you done for Obama today?“, fragt in Großbuchstaben sein Fenster. Durch den Kauf einer Handtasche mit Obama-Porträt (handmade!) unterstützen Sie die Obamakampagne mit zwanzig Prozent des Erlöses. Schöne Idee, hässliche Tasche. 90 Dollar plus Tax. Ich nehme drei in Kommission, weil der Friseur mein erster Kunde ist, zwei Stunden später sind sie verkauft. Auf Tocqueville bleibe ich sitzen. Den Grund dafür kennt der Autor selbst: „Es gibt nichts Unproduktiveres für den menschlichen Geist als Abstraktionen. Ich beeile mich deswegen, zu Tatsachen zu gelangen.“

Einseifen und wählen in eins gesetzt

Ich auch. Eröffne ein amerikanisches Konto, schließe es zwei Stunden später wieder, kaufe Lippenstifte und Hockeyschläger, dem nackten Kaiser neue Kleider, Präsidententshirts für beide Fälle und Anziehpuppen für die First Ladies. Für das Wählerwaschbecken im Wettbüro ein Stück Seife aus der Corcoran Gallery mit der glänzenden Aufschrift: „A Shower with this soap is good for you and so is your vote, so don't forget to do both!“ Zwei Stunden später ist die Seife verschwunden.

Die Schriftstellerin Felicitas Hoppe, Jahrgang 1960, ist zur Zeit Gastprofessorin in Washington, wo sie bis zur Präsidentschaftswahl ein literarisches Wettbüro unterhält.

Quelle: F.A.Z.
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