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Honiggelbe Verführung Düsseldorfer Schein-Problem

08.12.2010 ·  Im reichen Düsseldorf wehrt man sich gegen neue LED-Lampen, da die bisherigen Gasleuchten der Stadt am Rhein ein einzigartiges Glänzen verleihen. Es ist ein Kampf zwischen der „Initiative Pro Gaslicht“ und den Stadtoberen entbrannt.

Von Andreas Rossmann
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„Bei uns fällt auch nicht das Manna vom Himmel!“ Wer so alttestamentarisch ausholend wie kürzlich der Düsseldorfer Kulturdezernent Hans Georg Lohe auf einem Symposion (und das auch noch) in Köln der Versuchung widersteht, von den Möglichkeiten in seiner Stadt zu schwärmen, lässt die Blicke noch neidischer werden. Ja, Düsseldorf ist, als einzige Kommune weit und breit, schuldenfrei, erhöht den Kulturetat, saniert Opern- und Schauspielhaus, vergibt Ateliers, Stipendien, Preise. Düsseldorf leuchtet.

Nur ist ein ausgeglichener Haushalt nicht auch die Garantie für intelligente bürgerfreundliche Kommunalpolitik. Die gute Kassenlage weckt, vom rheinischen Leichtsinn befördert, Begehrlichkeiten, und nichts außer eben Geldmangel könnte verhindern, dass die überflüssigen „Neuerungen“ umgesetzt werden. Nachdem Düsseldorf schon länger dabei ist, in seinem Zentrum mit Rampen, die breite Wunden in den Stadtkörper schneiden, den Tram- wie auch den Autoverkehr unter die Erde zu bringen, scheint es nun sogar bereit, sein unverwechselbares Erscheinungsbild einzutrüben. Denn Düsseldorf leuchtet nicht nur, es glänzt.

Die Geschäftemacher reiben sich die Hände

Als einzige Stadt - außer dem alten West-Berlin, doch sehr viel kohärenter und prägender als dort - beleuchtet es die Straßen noch mit Gas, das siebzehn- der knapp sechzigtausend Laternen speist und für eine weiche angenehme Helligkeit sorgt. Seit Gabriele Henkel vor mehr als einem Jahr ein flammendes Plädoyer für die „warme, honiggelbe und schmeichelnde“ Verführung gehalten hat, ist das Thema Stadtgespräch, viele Düsseldorfer bekennen, Heimatgefühle mit den Gasleuchten zu verbinden, und die „Initiative Pro Gaslicht“ möchte das „einzigartige Flächendenkmal“ als Weltkulturerbe anerkannt sehen.

Davon unbeeindruckt, hat die Stadtverwaltung einen „Masterplan Licht“ erarbeitet, nach dem die lebendige Erinnerung an die große Industriegeschichte Düsseldorfs ausgelöscht und die Lampen nach und nach auf LED-Technik umgerüstet oder gegen elektrische ausgetauscht werden sollen. Die CO2-Emission würde gesenkt, wird parteiübergreifend argumentiert - dabei könnte, da die Einsparung nicht einmal 0,2 Prozent des Gesamtausstoßes ausmacht, das Klima durch andere Maßnahmen effektiver entlastet werden. Den geringeren Energiekosten stehen, die Geschäftemacher reiben sich schon die Hände, erst einmal Investitionen von 140 Millionen Euro und weniger langlebige Lampen gegenüber. Und Düsseldorf würde nicht länger glänzen, sondern scheinen wie jede andere Stadt.

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Jahrgang 1952, Feuilletonkorrespondent in Köln.

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