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Holocaust-Mahnmal „Ort der Information“ ergänzt Peter Eisenmans Entwurf

30.03.2001 ·  Ein „Ort der Information“ mit vier Räumen wird das Holocaust-Mahnmal ergänzen. Am Donnerstag fiel die Entscheidung.

Von Konrad Schuller
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Wenn in Berlin das Denkmal für die ermordeten Juden Europas gebaut ist, wird der Besucher im südöstlichem Viertel - halb verdeckt im Stelenhain des Architekten Eisenman - eine Treppe finden.

Sie wird hinabführen in eine unterirdische Raumflucht ohne Tageslicht, mit anfangs hohen, nach hinten zu immer tiefer liegenden Decken. Hier wird der „Ort der Information“ sein, der das Stelenfeld ergänzen soll.

Stille

Am Donnerstag einigte sich das Kuratorium der Stiftung, wie der „Ort der Information“ gestaltet werden soll. Die Mitglieder, unter ihnen die Publizistin Lea Rosh und der Vorsitzende der Frankfurter Jüdischen Gemeinde, Salomon Korn, billigten ein Konzept der Ausstellungsfachfrau Dagmar von Wilcken.

Nach dem Entwurf wird auf Treppe und Foyer ein leerer Saal folgen, den das Kuratorium „Raum der Stille nennt“. Im Boden sollen beschriftete Lichtfelder eingelassen werden, welche die Grundrisse der oberirdischen Stelen an der Oberfläche fortsetzen. Der Besucher wird hier - „mit leicht gebeugter Haltung“, wie Frau Wilcken sagte - knappe Grundauskünfte über den Mord der Nationalsozialisten an den Juden Europas aufnehmen können.

Schicksale

Auf den „Raum der Stille“ folgt der „Raum der Schicksale“. Er soll erfüllt sein von einem Raster mächtiger Hängepfeiler, die als Fortsetzung der oberirdischen Betonstelen wie die Stalaktiten einer Höhle bis auf Hüfthöhe herabragen. In den Durchgängen dazwischen wird jeweils nur eine Person Platz haben. Die Seiten der Säulen sollen Texte und Bilder zu den Schicksalen jüdischer Familien tragen.

Nach diesem Erlebnis der Enge folgt im „Raum der Namen“ eines der Weite: Hier lesen in einem permanentem Vortrag Menschen aus den Ländern Europas die Namen aller ermittelten jüdischen Opfer vor. Zugleich wird erwogen, Bildschirme aufzustellen, an denen Besucher nach eigener Wahl Namen aufrufen können. Der vierte Raum, bevor es schließlich in das Foyer zurückgeht, soll als „Raum der Orte“ Schauplatz von kurzer Filmvorführungen über die Vernichtungsstätten des Dritten Reiches werden.

Namen

Dieses Gesamtkonzept setzt die Tendenz der vergangenen Jahre fort, das Gedenken an die Schoah in die Formen der religiösen Sammlung zu kleiden. Im Raum der Stille deutet der Name an, dass der Besucher etwas Numinoses erleben soll - etwas, das jenseits aller Worte liegt. Die „leicht geneigte“ Haltung beim Betrachten der erleuchteten Schriftfelder im Boden wird diese Empfindung verstärken. Das Stiftungskuratorium ist sich dieser Wirkung bewusst. Salomon Korn sagte am Freitag, der Lichteffekt in diesem Raum erinnere ihn an „Kirchenfenster“.

Der Entwurf übernimmt Elemente aus der Welt der Kulte: Die Enge im Raum der Schicksale erinnert an frühchristliche Grabkatakomben, und auch die permanente „Anrufung“ der Ermordeten im Raum der Namen ist ein Archetypus der religiösen Formen. Das Gesamtkonzept entspricht jenem Bild der „Seelenreise“, das den Bauplänen christlicher Kirchen zugrunde liegt. Bundestagspräsident Thierse beschrieb, wie der Besucher im „Ort der Information“ eine innere Entwicklung vollziehen werde, die ihn aus den Emotionen des oberirdischen Stelenfeldes über die Sammlung im Raum der Stille, schließlich zu den Informationen in den folgenden Sälen hinführen solle.

Orte

Mit dieser Formensprache wird das Denkmal für die ermordeten Juden Europas der europäischen Tradition angeschlossen, Bauwerke der staatlichen Repräsentation mit Formen der Religionen auszustatten. Es steht damit in einer Reihe mit der französischen Nationalversammlung (einem Tempel), dem englischen Parlament (einer Kathedrale) und dem Lenin-Mausoleum (einer Pyramide).

Diese Anlehnung an religiöse Formen in der Erinnerung an die Schoah nimmt zu, seit die Zeitzeugengeneration abtritt. Weil das unmittelbare Mitempfinden erlischt, werden Wege gesucht, das Erlebte auf kommende Generationen zu übertragen. Das Denkmal für die der ermordeten Juden Europas nimmt diese Tendenz auf. Für seine unterirdische Erweiterung heißt das jedoch: Der „Ort“ in der Tiefe wird trotz seines Namens nicht einer „der Information“ sein, sondern einer des Erlebnisses.

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Jahrgang 1961, politischer Korrespondent für Polen und die Ukraine mit Sitz in Warschau.

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