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Hollande in Schwierigkeiten : Liebeswahn

  • -Aktualisiert am

In New York lauert die Ex-Frau, zu Hause die anspruchsvolle Freundin. Für den französischen Präsidenten ist die ganze Welt eine einzige große Beziehungskiste - mit viel Platz auch für große Fehler.

          Der Präsident der Französischen Republik bahnt sich seinen Weg durch das Gebäude der Vereinten Nationen in New York. Seine Leute halten ihm die Türen auf, lauter Minister und Berater an seiner Seite, der Schwung der Geschichte treibt sie an, und mit ihnen zieht die neue Zeit. Was könnte sie aufhalten? Die ewige Reaktion? Die internationale Finanzwelt? Ein wütender Mob? Nichts dergleichen natürlich, solcher Widerstand spornt sie höchstens an.

          Und doch sehen erstaunte Beobachter, wie der Präsident plötzlich stehen bleibt und kehrtmacht, wieder auf jene Glastür zu, die er doch eben so schwungvoll passiert hatte. Nun müssen seine Leute einen Umweg improvisieren, und einmal darf man raten, was das unüberwindliche Hindernis war. Das war Ségolène Royal. Ja, Hollandes Ex-Frau stand dort auf dem Gang herum und gab Interviews zu einer humanitären Mission, die sie an diesem Tag ebenfalls nach New York geführt hatte. Wäre Hollande an ihr vorbeigegangen, hätte er sie begrüßen müssen, und bei diesem Begrüßungskuss wäre ein Foto entstanden, und wegen dieses New Yorker Schnappschusses hätte Hollande zu Hause eine heiße Hölle gedroht.

          Im dichte Geflecht der Patchworkfamilie

          Und nun der Brief. Klare Sache: Dass der Präsident, der in Frankreich der Garant der Unabhängigkeit der Justiz sein muss, in einem von seiner Freundin Valérie Trierweiler angestrengten Verleumdungsverfahren gegen ein überflüssiges Buch dem Richter geschrieben hat, ist nur noch wahnsinnig zu nennen. Mitterrand hatte den Grundsatz, während seiner Amtszeit nie zu klagen, das war nobel und auch schlau, denn er hatte ja einiges zu verbergen. Und er hätte kein schriftliches Zeugnis öffentlich werden lassen. So kultivierte er eine Aura des Geheimnisses, die dazu führte, dass man ihn eher über- als unterschätzt hat.

          Hollande stolpert nun gerade den umgekehrten Weg hinab, wie geblendet vom Liebeswahn und offenbar unerreichbar für gute Ratschläge. Schon seine Amtseinführungszeremonie war von einem Streit über die Sitzplätze der diversen Kinder aus vorigen Beziehungen überschattet, schließlich saßen gar keine Kinder im Festsaal. Jede Aussprache macht es schlimmer, und wenn Trierweiler sich ruhig verhält, tritt Royal auf den Plan, was die andere wieder provoziert, bald schwirrt einem der Kopf. Es ist nicht die hohe Politik, es ist eine instabile Beziehungskiste, die Hollandes Präsidentschaft unter sich zu begraben droht.

          Quelle: F.A.Z.

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