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Hoffenheim-Vorgänger Alsenborn Fritz Walters Dorfmannschaft

Singulär ist die Erfolgsgeschichte der TSG Hoffenheim nicht. Schon Anfang der sechziger Jahre versuchte sich mit dem SV Alsenborn ein Dorfverein daran, bei den Großen mitzuspielen. Dahinter steckte kein Geringerer als Fritz Walter.

© picture-alliance / dpa Vergrößern Fritz Walter wurde zwar Weltmeister mit Deutschland, sein SV Alsenborn aber schaffte es nicht in die erste Liga

Über die TSG Hoffenheim, die unter dem SAP-Gründer Dietmar Hopp und dem Trainerteam um Ralf Rangnick nun in die Erste Fußball-Bundesliga aufgestiegen ist, muss man gar nicht viel sagen. Die Dinge im gut dreitausend Einwohner zählenden Kraichgaudorf scheinen ihren vernünftigen Weg zu gehen. Beide, viel Geld und kompetente Arbeit, räumen Mannschaft und Verein auch in der kommenden Spielzeit gute Chancen ein, zumindest ordentlich mitzuhalten - der Neid vieler wird ihnen dabei weiterhin gewiss und zugleich ein Ansporn sein.

Singulär freilich ist es nicht, was dort gerade geschieht. Es gibt eine so schöne wie weitgehend vergessene Geschichte, deren Parallelen zur Hoffenheimer Aktualität verblüffend sind. Sie spielt im pfälzischen Dorf Alsenborn (2500 Einwohner) unweit von Kaiserslautern und beginnt am 2. Mai 1962 im Olympiastadion von Amsterdam. Damals standen sich Real Madrid (mit Ferenc Puskás) und Benfica Lissabon (mit Eusébio) im Endspiel um den Pokal der Landesmeister gegenüber. Noch im Stadion leisteten zwei Zuschauer des Finales den „Schwur von Amsterdam“: der Alsenborner Bauunternehmer Hannes Ruth und der Alsenborner Neubürger Fritz Walter, die Weltmeisterlegende von 1954.

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Inhalt des Schwurs: Wir beide, Ruth (Geld) und Walter (Genie), machen aus dem A-Klasse-Verein SV Alsenborn einen Klub, der mit den ganz Großen in der gerade gegründeten Bundesliga mithalten kann. Sechs Jahre später nahmen die Alsenborner erstmals an der Aufstiegsrunde zur ersten Liga teil, trotzten dabei im Berliner Auswärtsspiel vor 80.000 Zuschauern Hertha BSC ein Unentschieden ab, verpassten aber - wie auch in den beiden folgenden Jahren - den Aufstieg knapp. Sehr zu Recht hinderte das Fritz Walter nicht daran, ein Buch zu schreiben: „Alsenborn - Aufstieg einer Dorfmannschaft“.

Im Gegensatz zu Hoffenheim erreichten die Pfälzer die oberste Klasse nie, spielten aber bis Mitte der siebziger Jahre gleich darunter erfolgreich mit. Das Genick brachen dem Verein schließlich weder Misswirtschaft noch Größenwahn - es war der damalige DFB-Präsident Hermann Neuberger, der den sportlich qualifizierten Alsenbornern zugunsten seines Heimatvereins, des 1. FC Saarbrücken, die Teilnahme an der neugegründeten Zweiten Bundesliga verweigerte. Joachim Fest hat Neuberger in dieser Zeitung einst auch deshalb einen „ambitiösen Provinzkönig“ voller „Gängelungsgelüste“ gescholten. Gängelungsgefahr droht den Herren Hopp und Rangnick durch den jetzigen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger nicht. Mal sehen, wohin es die TSG Hoffenheim unter solchen Auspizien noch bringt.

Quelle: F.A.Z.

 
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