Home
http://www.faz.net/-gqz-ovac
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Hörbuch Bunkerlatein

10.09.2004 ·  Noch bevor ihn über ein Häuflein Eingeweihter hinaus jemand sehen konnte, ist „Der Untergang“, Bernd Eichingers Film über die letzten Tage im „Führerbunker“, zum Tagesgespräch geworden. Da ist es mehr recht als billig, an das gleichnamige Buch von Joachim Fest zu erinnern, das auch als Hörbuch ein kleines radiophones Juwel darstellt.

Von Christian Deutschmann
Artikel Lesermeinungen (0)

Noch bevor ihn über ein Häuflein Eingeweihter hinaus jemand sehen konnte, ist "Der Untergang", Bernd Eichingers Film über die letzten Tage im "Führerbunker", zum Tagesgespräch geworden. Da ist es mehr recht als billig, an das gleichnamige, 2002 erschienene Buch von Joachim Fest zu erinnern, das eine der beiden Vorlagen des Films abgab. Immer schon hatte der WDR die Nase vorn, wenn es galt, sich großer Namen des Buchmarktes zu versichern. Mit einer dreistündigen Lesefassung von Fests Buch, die heute abend gesendet wird, ist dem Sender dies abermals gelungen. Ende des Monats liegt die Produktion im Deutschen Audio Verlag als Hörbuch vor.

Auch gemessen an den großen Leistungen der Hörliteratur ist daraus ein kleines radiophones Juwel geworden. In erster Linie hat das an den Meistern der Erzählkunst geschulte und mit großem Nachdruck seinem Thema verpflichtete literarische Können des Autors daran Anteil. Doch auch die Umsetzung beeindruckt. Die Aufteilung in vier Sprecherrollen folgt klug den Ebenen des Textes und sorgt auf ihre Weise für Transparenz. Da nimmt es der Hörer gerne hin, wenn dem Erzählen und Schildern immer wieder lange Passagen des Erörterns und Abwägens, des Argumentierens und Bewertens folgen - Formen, die dem Hörer zunächst eher befremdlich erscheinen dürften. Mit wachsender Spannung verfolgen wir das Drinnen und das Draußen des Infernos in der Fülle seiner wirren Details, erleben wir jene schaurige Geisteswelt und -verfassung Hitlers und seiner Gefolgschaft, ohne je aus der Souveränität der nüchternen historiographischen Bestandsaufnahme entlassen zu werden. Der naheliegenden Versuchung, die Lesepassagen durch Geräusch, Musik und O-Ton aufzupolieren, halten Bearbeitung und Regie bis auf einige sinnvolle Ausnahmen ebenso stand wie der, der durch Sachkenntnis gebändigten Emphase des Autors ihrerseits didaktisch akzentuierend zur Seite zu treten.

Für passionierte Hörer ist diese Produktion ein Gewinn. Sie beweist, wie lohnend es sein kann, allen Verführungen zur Verbilderung des Geschehens zu trotzen und in der Freiheit des bloßen Hörens der Strenge und zugleich Farbigkeit eines Textes zu folgen, der allem, was je dazu per kinematographischer Fiktion erzielt wurde, gewachsen ist.

Die Hörbuch-CD: Der Untergang kann auch direkt über den FAZ.NET-Shop bestellt werden.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.09.2004, Nr. 212 / Seite 41
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Ab in die eTonne

Von Ursula Scheer

Der „eTown-Index“ rechnet aus, in welcher Stadt Deutschlands es die meisten wirtschaftlichen Internetseiten gibt. Googles System dahinter ist ebenso durchschaubar wie verworren. Mehr