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Samstag, 18. Februar 2012
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Hochstapler in Russland Gogols Ganove

18.04.2008 ·  In Russland hat die Figur des Hochstaplers Konjunktur. Je enger sich das Netz bürokratischer Abhängigkeiten flicht, desto einfacher ist es, ahnungslose Beamte mit haltlosen Versprechen zu erstaunlichen Gefälligkeiten zu verlocken. Es ist wie in Nikolai Gogols klassischer Komödie.

Von Kerstin Holm
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In Russland geht das Gespenst von Nikolai Gogol um. Je enger im Staat der stolzen Subordinationspyramide sich das Netz bürokratischer Abhängigkeiten flicht, je effektiver die Netzwerke die nationale Wirtschaftskraft anzapfen, desto profitabler wird es auch, anderen weiszumachen, man gehöre dazu. Im südrussischen Landkreis Rostow ließ sich ein vierfach vorbestrafter Hochstapler wochenlang von mehreren Polizeibelegschaften aushalten und hofieren, weil die Beamten glaubten, er sei ein Revisor. Der neunundzwanzig Jahre alte Juri Tscheburakow stellte sich in der Milizverwaltung von Ust-Donezk, Wolgodonsk und Zimljansk als Abgesandter der Moskauer Generalstaatsanwaltschaft vor, der Auftrag habe, Unregelmäßigkeiten aufzudecken.

Tscheburakow war dabei als Dramaturg so klug wie als Psychologe. Das Szenario der Gemeinde von Kleinstadtbeamten, die, aus heiligem Schreck vor dem Hauptstädter mit Sondervollmachten, einander in Gefälligkeiten überbieten, wiederholt Gogols klassische Komödie. Tscheburakow kannte die Namen der örtlichen Polizeigrößen, die er klug ins Gespräch einstreute, wie die Düpierten später bezeugten. Er spürte die Ängste und Schwächen der Beamten und manipulierte sie entsprechend. Dem einen stellte er eine dienstliche Beförderung in Aussicht. Einem anderen versprach er, die anstehende Überprüfung zu verhindern. Einem dritten machte er Hoffnung auf Wohnungszuteilung. Dafür drängten ihm die Polizisten Sonderzuwendungen förmlich auf.

Hochstapler im Spezialwagen

Der falsche Revisor wurde im Spezialwagen mit Blinklicht herumchauffiert. Die Kleinstädter versahen ihn mit einem Diensthandy und beherbergten ihn in der besten Suite ihres Hotels. Tscheburakow hatte seine Gastgeber um Zehntausende Rubel, etliche hundert Euro, erleichtert, da verschwand er so plötzlich, wie er aufgetaucht war. Auf einem Straßenposten der Verkehrspolizei, wo ihn frühere Opfer erkannten, wurde er zufällig gestellt. Doch seine Strafverfolger scheinen den aktuellen Darsteller des literarischen Klassikers beinah zu bewundern. Dem Pseudorevisor gingen ausgebuffte Ordnungshüter auf den Leim, sagte der Staatsanwalt von Zimljansk anerkennend - Leute mit extradicken Achselstücken.

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