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Studie für Minsterien : Mehr China-Kompetenz gefordert

Ist Deutschland auf die wachsende Bedeutung Chinas vorbereitet? Bild: dpa

Trotz stetig wachsender Bedeutung sind die chinesische Sprache und Kultur nur ein Randthema im deutschen Bildungssystem. Das soll sich nun ändern.

          Gemeinsam wollen das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), die Kultusministerkonferenz (KMK) und das Auswärtige Amt die China-Kompetenz in Deutschland weiter fördern und ausbauen. Angesichts der wachsenden Bedeutung Chinas auch in der Wissenschaft soll das selbstbewusste Eintreten „für die eigene Position und Verständnis des anderen“ durch entsprechendes Wissen und Erfahrung gestärkt werden, sagte der Staatssekretär im BMBF, Georg Schütte. Um den Stand der China-Kompetenz in Deutschland zu erheben, hat das BMBF das Mercator Institute for China Studies (Merics) beauftragt, unterstützt wurde die Studie („China kennen, China können“) vom Auswärtigen Amt.

          Heike Schmoll

          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Darin heißt es zur Strategie Chinas: „Durch geschickte Einflussnahme auf politische und wirtschaftliche Eliten, Medien, Zivilgesellschaft und Bildungsträger in anderen Ländern versucht es Akzeptanz zu schaffen für sein autoritär geprägtes System.“ Wenn etwa die 19 in Deutschland existierenden Konfuzius-Institute ihre Kursangebote kontinuierlich verbreiterten, könnten sie angesichts der oft geringen Vorkenntnisse ihres deutschen Zielpublikums deren China-Bild beeinflussen. Um solchen Einflussnahmen wirkungsvoll begegnen zu können, brauche es mehr Wissen über China.

          Zu wenig Interesse an chinesischer Kultur

          Bisher ist China in den Lehrplänen der Schulen ein Randthema, selbst in Erdkunde, Geschichte oder Wirtschaft taucht es relativ selten auf. Außerdem verfügen die meisten Lehrer nur über Grundkenntnisse über China, und es fehlt an aktuellen Unterrichtsmaterialien. Dasselbe gilt für den Sprachunterricht. In manchen Ländern ist Chinesisch als Regelfach etabliert, in anderen noch gar nicht. Chinesisch für das Lehramt befindet sich noch im Aufbau. Viele der etwa 120 unterrichtenden Chinesisch-Lehrer sind Seiteneinsteiger, Sinologen und chinesische Germanisten, denen nachträglich eine Lehrbefähigung erteilt wurde. In Deutschland stagnieren die Chinesisch-Schülerzahlen bei etwa 5000 im Jahr, in einigen Bundesländern sind sie sogar rückläufig. Nur unter Berufsschülern steige das Interesse an China. In Frankreich lernen immerhin 38 000 Schüler Chinesisch. Die von der chinesischen Regierung finanzierten Konfuzius-Klassenzimmer könnten trotz des offensichtlichen Eigeninteresses Pekings ein sinnvolles Ergänzungsangebot sein. „Der schulische Chinesisch-Unterricht muss jedoch grundsätzlich in deutscher staatlicher Zuständigkeit bleiben“, heißt es in der Merics-Studie.

          Den Hochschulen, für die eine Forschungskooperation mit China immer wichtiger ist, wird empfohlen, forschungsrelevante Rechtsfragen (zum Beispiel Patentrechte, persönliche Daten et cetera) über eine zentrale Anlaufstelle zu klären. Eine unabhängige Service-Stelle „China-Kompetenz“ könnte dazu beitragen, vorhandene China-Expertise systematisch zu bündeln. Außerdem wäre eine zentrale Website zu Bildungsangeboten für den Aufbau von China-Kompetenz wünschenswert. Wie BMBF, KMK und Auswärtiges Amt mit den Empfehlungen umgehen, wollen sie beraten; jedenfalls soll es abgestimmte und gemeinsame Schritte geben, um der geschickten Gesamtstrategie Chinas mit eigenen Zielen begegnen zu können.

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