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Max-Planck-Institute : Rituale des Wegschauens

  • -Aktualisiert am

Eingang zum Hauptsitz der Max-Planck-Gesellschaft in München Bild: Max-Planck-Gesellschaft / Kai Weinsziehr

Die Max-Planck-Gesellschaft behauptet, erst 2016 von Mobbing am Max-Planck-Institut für Astrophysik erfahren zu haben. Doch es gab schon vorher Hinweise auf Machtmissbrauch.

          Im Zusammenhang mit den Vorwürfen sexueller Belästigung und Mobbing gegen das Max-Planck-Institut für Astrophysik (MPA) in Garching  hat die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) erklärt, erst seit Anfang 2016 von Führungsproblemen an dem Institut zu wissen. Doch bereits 2013 war bekannt, dass am MPA Probleme im Umgang mit Mitarbeitern bestehen.

          Vom Mai 2013 datiert eine Studie zur Situation der Doktoranden, die das Hochschulinformationssystem HIS im Auftrag der MPG durchgeführt hat. Darin wird das MPA namentlich genannt. Kritisiert wird unter anderem die Diskriminierung ausländischer Doktoranden, die überwiegend Stipendien ohne soziale Absicherung bekamen, während deutsche Doktoranden einen sogenannten Fördervertrag mit Anspruch auf Arbeitslosengeld erhielten. Die HIS-Studie blieb intern jedoch liegen, bis die Doktorandenvertretung der MPG, das PhDnet, 2014 ihren Statusreport veröffentlichte und darin ebenfalls die Diskriminierung ausländischer Doktoranden am MPA erwähnte. Das MPA war dafür schon 2013 vom PhDnet kritisiert worden.

          In der Max-Planck-internen Zusammenfassung der HIS-Studie, in der kein Institut mehr namentlich genannt wird, heißt es mit Blick auf die Diskriminierungsvorwürfe: „Diese subjektiven Erfahrungen decken sich mit den Erhebungen des PhDnet, das diese Praxis zu Recht kritisiert hat!“ Der damalige MPG-Präsident Peter Gruss schickte den Statusreport des PhDnet zusammen mit einem Brief am 18. Februar 2014 an alle Max-Planck-Institute und konfrontierte sie mit den darin benannten Problemen. „Diese Hinweise des Max-Planck-PhDnet nehme ich sehr ernst und zum Anlass, daran zu erinnern, dass trotz aller wissenschaftlicher Prioritäten an den Max-Planck-Instituten die aktuellen und verbesserten Förderbedingungen für den wissenschaftlichen Nachwuchs auch eins zu eins umgesetzt werden.“ In der Geschichte der MPG ein Novum, dass den verantwortlichen Direktoren auf die Finger geklopft wurde. Es blieb allerdings bei der Ermahnung.

          Ignorierte Nachfragen

          Mitte April 2014 erfuhr Andreea Scacioc, damals Sprecherin des PhDnet, von einem der Mobbing-Fälle am MPA. Es handelte sich um einen Doktoranden in der Abteilung der später in die Kritik geratenen Direktorin. Die hatte von dem Doktoranden eine Publikation pro Jahr verlangt, was in dem Fachbereich extremen Druck bedeutet. „Er hat berichtet, dass seine Chefin ihn in diesem Zusammenhang angeschrien und demotiviert hat. Das ist klassisches Mobbing“, so Scacioc. Das Problem des Doktoranden ließ sich von den Verantwortlichen vor Ort nicht lösen. Wie man damals am Institut mit dem Fall umging, will die MPG nicht kommentieren. „Zu individuellen Fällen nimmt die Max-Planck-Gesellschaft aufgrund des Schutzes von Persönlichkeitsrechten der Betroffenen nicht Stellung“, so MPG-Sprecherin Christina Beck.

          Scacioc bat die Generalverwaltung Ende April 2014 um Kontakte zu den drei Schlichtungsberatern in der Chemisch-Physikalisch-Technischen Sektion (CPT) der MPG, zu der auch das MPA gehört, auf Wunsch des Doktoranden jedoch, ohne seinen Fall zu schildern. Ihr Bemühen war vergeblich. „Die Adressen der Schlichtungsberater waren nicht online verfügbar. Doch meine Anfrage wurde trotz mehrmaliger Nachfragen von der Ansprechpartnerin für den wissenschaftlichen Nachwuchs ignoriert“, so Scacioc. Bis zum Ende ihrer Amtszeit im Dezember 2014 habe es trotz weiterer Versuche keine Antwort gegeben.

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