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Raubverlage : Gefahren aus dem Darknet der Forschung

Denn ob die Qualitätssicherung in den zahllosen Wettbewerben der Projektforschung greift, ist eine andere Frage. Tatsache ist, dass man sich die Lektüre der Publikationen in manchem Berufungsverfahren spart. Angesichts der Masse der Wettbewerbe und der Überlastung der Gutachter vertraut man auf äußere Kriterien wie die Zahl der eingeworbenen Drittmittel und die Länge der Publikationsliste. Die vielen ungelesenen Aufsätze werden trotzdem zitiert und tragen zur Verzerrung des Wettbewerbs bei. Betrügerische Forschung spekuliert ja gerade darauf, dass ein Beitrag gelistet, aber nicht gelesen wird.

Krise von Open Access

Als Symptom für die Auswüchse eines Publikationssystems, das Qualität durch fragwürdige Metriken aushöhlt und mit Steuermitteln einen absurden Ausstoß ungelesenen Papiers produziert, sind die Raubverlage ernst zu nehmen. Das Gegengift ist bekannt – Qualität statt Quantität, weniger Evaluationen, Begrenzung der Publikationslisten, Verlangsamung des Wettbewerbs. Es zeigt aber bisher wenig Wirkung, weil die Mechanismen tief verankert sind. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft beispielsweise reduzierte 2010 die Zahl der relevanten Publikationen in Wettbewerben auf fünf, und erhöhte sie 2014 wieder auf zehn. Solange man wissenschaftliche Reputation an äußeren Kriterien wie dem Impact-Factor misst, werden Politiker und Universitäten weiter ehrfurchtsvoll auf jedes verzerrte Ranking starren. Die Wissenschaftsorganisationen und die Hochschulen sollten das Symptom der Schattenverlage nutzen und auf Begrenzung drängen. Das BMBF ist aufgerufen, die kurzfristige Projektforschung, die ihr Einfluss auf die Bundesländer gibt, zurückzufahren und stattdessen dauerhaft in die Hochschulen zu investieren.

Eine andere Frage ist, wie sich die Wissenschaft gegen die Raubverlage immunisieren kann. Schwarze Listen sind schon angesichts des sprunghaften Wachstums des Marktes und der vielen Grauzonen schwer zu verwirklichen und würden den Staat zur Zielscheibe von Zensurvorwürfen machen. Eine Alternative ist die Kennzeichnung vertrauenswürdiger Publikationen durch ein Gütesiegel. Dieses müsste jedoch, wie der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Horst Hippler, anmerkt, mit der laufenden Veränderung der Publikationslandschaft Schritt halten. Gewiss keine einfache Aufgabe. Trotzdem muss die Wissenschaft aktiv werden, wenn sie verhindern will, dass die Raubverlage ihre Legitimationskrise verstärken.

Entgegen vielen Beteuerungen sind die Raubverlage eine direkte Folge von Open Access, das mit dem guten Zweck angetreten war, die Macht der Großverlage zu brechen. Es rächt sich, dass verlegerische Qualität und Sorgfalt über Jahre hinweg kleingeredet wurden. Und ist die Autorengebühr die bessere Alternative zum traditionellen Lizenzmodell, das dem Geschäftsmodell der Raubverlage keine Nische bot? Den Open Access-Publikationsfonds bleibt die Möglichkeit, bei der Vergabe der Autorengebühr stärker auf Qualität zu achten. Das verhindert nicht, dass Autoren an der Wissenschaft vorbei auf eigene Kosten zweifelhafte Publikationen auf den Markt spülen, wo sie, wie das Recherchenetzwerk zeigte, für Werbung und politische Propaganda verwendet werden. Dass Wissenschaft im Internet jedem frei zugänglich sein soll, hat offensichtlich nicht zwingend einen demokratisierenden Effekt. Wenn sich dort für den Laien ununterscheidbar Sinn und Unsinn tummeln, vermehrt es eher den Faktenzweifel.

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