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Belästigung am Arbeitsplatz : Willkür, Angst, zerstörte Träume

Mitarbeiter des Max-Planck-Instituts für Astrophysik sollen monatelang schikaniert worden sein. Bild: Picture-Alliance

Mitarbeiter des Max-Planck-Instituts für Astrophysik sollen von einer Direktorin jahrelang schikaniert worden sein. Das Vertrauen in interne Schlichtungen scheint verbraucht.

          Zweifellos gehören Guinevere Kauffmann und Simon White zu den Koryphäen ihres Fachs. Kaum eine wissenschaftliche Auszeichnung ist an dem Forscherehepaar, das gemeinsam mit zwei weiteren Direktoren das Garchinger Max-Planck-Institut für Astrophysik (MPA) leitet, vorbeigegangen. Kauffmann wurde 2007 mit dem Leibniz-Preis, dem höchsten deutschen Forschungspreis, geehrt. Der Stern von White glänzt in Fachkreisen sogar noch etwas heller. Am MPA führt an dem Forscherpaar kaum ein Weg vorbei.

          Thomas Thiel

          Redakteur im Feuilleton.

          Möglicherweise hat das einen Doppelsinn. Denn nach Mails zu urteilen, die Guinevere Kauffmann an ihre Mitarbeiter geschrieben hat, färben ihre wissenschaftlichen Leistungen nicht auf ihre Führungsqualitäten ab. Die Mails, die in Auszügen auf dem Internetportal Buzzfeed dokumentiert werden, sind nichts für sensible Gemüter. Kauffmann wirft Mitarbeitern Betrug und Inkompetenz vor, bedient rassistische und sexistische Vorurteile, droht, wie die Buzzfeed-Autorin schreibt, mit der Nichtverlängerung von Verträgen und spielt mit der Abhängigkeit ihrer Untergebenen. Persönliche Angriffe auf einen Mitarbeiter setzte sie angeblich in Kopie an internationale Kollegen, so dass auch potentielle künftige Arbeitgeber sie lesen können. So erhöht man den Druck.

          Der Leidensdruck unter Kauffmanns Mitarbeitern war offenbar so groß, dass sich rund ein Dutzend von ihnen an die Presse wandte. Im „Spiegel“ erschien im Februar ein noch anonym gehaltener Artikel. Auf Buzzfeed wurden die Vorwürfe am 27. Juni konkretisiert und Institut und Person erstmals namentlich benannt. Die Hinweisgeber baten aus Angst vor Repressalien um Anonymität. Wie ist zu erklären, dass sie sich nicht vorher an interne Stellen wandten? Liegt es daran, dass die Reaktion des Garchinger Instituts auf das erste Bekanntwerden der Vorwürfe zu lax war? Hatte man kein Vertrauen in die interne Schlichtung?

          Schlichter hängen im Netz der Abhängigkeit

          Das Garchinger Institut und die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) wissen von den Mobbing-Vorwürfen seit zwei Jahren. MPG-Vizepräsident Ferdi Schüth gab sie im Juni 2016 nach einer Begutachtung durch den wissenschaftlichen Fachbeirat an die jeweiligen Führungsebenen weiter. Die MPG ordnete daraufhin ein Coaching an, dem sich Kauffmann angeblich bereitwillig unterzog, und ließ wissen, dass seither keine weiteren Beschwerden zu ihr durchgedrungen seien. Der geschäftsführende Institutsdirektor Eiichiro Komatsu habe der MPG vergangenes Jahr bestätigt, dass sich die Situation entscheidend verbessert habe. Auch das Garchinger Institut, so dessen Pressesprecherin Marion Hämmerle, habe keine weiteren Beschwerden erhalten. Das kann aber auch am mangelnden Vertrauen in die internen Schlichterstellen liegen, das der Fall offenlegt. Die Hinweisgeber bestreiten jedenfalls eine Verbesserung des Arbeitsklimas. Das Mobbing sei fortan nur weniger offensichtlich erfolgt. Die Mails geben darüber keinen Aufschluss. Sie datieren aus der Zeit vor Beginn des Coachings, wie die Buzzfeed-Autorin auf Nachfrage bestätigt. Das Mobbing danach sei mündlich erfolgt.

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