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Hitler bei Madame Tussaud Die Rückkehr des Diktators in die Hauptstadt

03.06.2008 ·  Adolf Hitler kehrt zurück nach Berlin - als Wachsfigur bei Madame Tussaud. Das sorgt für Aufregung. Weglassen will Madame Tussaud das Abbild des Diktators aber nicht: Gezeigt werden solle die „ganze deutsche Geschichte“.

Von Marcus Jauer
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Als sich Adolf Hitler damals aus Berlin verabschiedete, tat er das mit einem Knall, dem ein kleineres Feuer im Garten der Reichskanzlei folgte. Begleitet wurde er von seinem Hund und seiner Frau und weiten Teilen des großdeutschen Reiches. Danach tauchte er ab und an in Filmen wieder auf oder aber in Vergleichen, nie mehr jedoch persönlich, nur als Figur. Das wird auch so sein, wenn er in einem Monat nach Berlin zurückkehrt.

Sein Auftritt wird in der Nähe des Brandenburger Tors erwartet, wo man ihm bereits eine Bleibe baut. Ein dunkler, bunkerartiger Raum mit Schreibtisch, hinter dem er stehen soll, den Blick auf die Lage gerichtet, Verzweiflung im Gesicht. Insofern ist der Ausdruck, mit dem er nun in die Geschichte zurückkehrt, noch immer der, mit dem er aus ihr ausgetreten war.

Im Juli ist Eröffnung

Organisator des Auftritts ist Madame Tussaud, in deren Namen seit 250 Jahren Figuren der Zeitgeschichte in solche aus Wachs verwandelt werden, damit sie - aus ihren Bunkern, Schlössern und Legenden, jedenfalls aber aus den Zusammenhängen befreit - zur Anschauung taugen. Anfang Juli will die deutsche Filiale Unter den Linden eröffnen, Adolf Hitler sollte eines von fünfundsiebzig Ausstellungsstücken sein und in der Abteilung „Geschichte“ stehen.

Gleich nach Bekanntwerden dieser Pläne zeigte sich, dass Hitlers Heimkehr in der Stadt nicht allen willkommen war. Johannes Tuchel, Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, hielt den Plan für „überflüssig“. Lea Rosh, Vorsitzende des Förderkreises zum Holocaust-Mahnmal, warnte, die Auseinandersetzung mit Geschichte dürfe nicht zum Konsum verkommen. Und der Berliner Senat verlangte von den Ausstellungsmachern Informationen darüber, auf welche Weise sie den Diktator zu präsentieren gedenken. Wie man weiß, gibt es ja, gerade was die Präsentation des „Führers“ angeht, für Berlin bereits einige sehr überzeugende Beispiele.

Keine Fotos mit dem „Führer“

Madame Tussaud nahm diese Anregungen in Gestalt ihrer Pressesprecherin entgegen. Sie erklärte, es sei ein Anliegen der Ausstellung, die ganze deutsche Geschichte zu zeigen, da gehöre Hitler nun einmal dazu. „Hitler wegzulassen wäre eine Lücke“, sagte sie. Außerdem habe die repräsentative Umfrage eines Marktforschungsinstituts ergeben, dass die künftigen Besucher des Wachsfigurenkabinetts den Diktator zu sehen wünschen und keine Lücke. Allerdings werde darauf geachtet, dass sie sich mit ihm nicht ablichten. Fotos „Der Führer und ich“ solle es nicht geben.

Dem Berliner Senat scheint das zu genügen. Ein Sprecher wies nur noch darauf hin, dass die Figur „zwingend“ einer historischen Erläuterung bedarf. Das ist überraschend, musste man doch annehmen, Hitler in Berlin, das erkläre sich im Grunde von selbst. Andererseits kennen vor allem viele junge Deutsche den Diktator höchstens aus Dokumentationen im ZDF. Da ist ein Hinweis, was der Mann sonst noch gemacht hat, wahrscheinlich angebracht.

Für Berlin, das sich derzeit historisch selbstvergewissert, leistet die Ausstellung keine Hilfe. Zwar bringt sie, nachdem das Stadtschloss gebaut, Tempelhof aber geschlossen wird, der Stadt einen Diktator zurück. Sie zeigt ihn aber nicht im Kreise seiner Angestellten, im Gegenteil. Die Figur, mit der sich Adolf Hitler den Bunker teilt wie eine Wohngemeinschaft, ist der britische Premier Winston Churchill. Wenn das der „Führer“ wüsste.

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