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Hirnforschung : Das Abenteuer unseres Bewusstseins

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Wie viele einzelne Dreiecke sind in dieser Figur versteckt? Kleiner Tipp: Hören Sie nicht bei 20 auf zu zählen. Bild: Bundesverband Gedächtnistraining e.V.

Bringt Meditation wirklich etwas? Und wenn ja, ist das gut für uns? Seit meinem Treffen mit dem Buddhisten Matthieu Ricard ist mir klar: Wir können Affekte und gute Gefühle kultivieren lernen - allerdings zahlen wir dafür einen Preis.

          Unser Gehirn kommt mit einem ungeheuren Schatz an Vorwissen auf die Welt. Dieses in der Architektur angelegte, von der Evolution mitgegebene Wissen wird während der Lebenszeit ergänzt und genutzt, um die Welt wahrzunehmen. Wahrnehmen ist, so gesehen, das Bestätigen vorformulierter Hypothesen. Fernöstliche Kulturen sehen in der Meditation einen besonders geeigneten Weg, um die Wahrnehmung seiner selbst und der umgebenden Welt zu schärfen. Ich habe darüber mit meinem Kollegen, dem Molekularbiologen Matthieu Ricard, der seit dreißig Jahren als Buddhist meditiert, ein ausführliches Gespräch geführt. Es war dies eine faszinierende Begegnung zwischen verschiedenen Wissenswelten.

          Ein Anlass für dieses Gespräch waren die Untersuchungen von Richard Davidson von der University of Wisconsin, der die Hirnströme meditierender Mönche analysierte. Er fand, dass während der Zustände, die Meditierende als den klaren Geist beschreiben oder als ein starkes Gefühl der Empathie, die von uns entdeckten Gamma-Oszillationen mit großer Amplitude auftraten. Das sind periodische Aktivitäten der Hirnrinde im Bereich von 40 bis 80 Hertz, auf die wir bei der Untersuchung von Umwelteinflüssen auf die Gehirnentwicklung gestoßen waren. Wir hatten beobachtet, dass das Gehirn diese hochfrequenten Schwingungen erzeugt, wenn es Sinnesreize mit großer Aufmerksamkeit verarbeitet.

          Ohne Dirigent im Kopf

          Wir vermuten, dass die Synchronisierung dieser oszillierenden Nervenzellaktivität das Bindungsproblem lösen könnte; das Problem, wie die vielen verteilten Operationen im Gehirn selbstorganisierend so gebunden werden, dass daraus - ohne Dirigent im Kopf - kohärente Wahrnehmungen und Entscheidungen entstehen können.

          Des Rätsels Lösung

          Es folgte eine Konferenz in Paris, die dem Gedenken an Francisco Varela gewidmet war. Dieser hatte sich zusammen mit dem Dalai Lama um einen westöstlichen Dialog bemüht, in dem untersucht werden sollte, wie sich die westliche Wissenschaft zur Spiritualität verhält. Uns war nach den Beiträgen klargeworden, dass es sich bei diesen synchronen Gamma-Oszillationen nicht um Artefakte handelt, sondern dass Meditation vielmehr ein hochaktiver Zustand ist. Das ist etwas völlig anderes als ein Zustand der Entspannung.

          Zeitliche Präzision

          Im Anschluss an die Konferenz gab es ein Treffen in Washington, an dem ein Mönch teilnahm, der ein christliches Kloster in Kalifornien leitet. Sein Vortrag machte deutlich, wie sehr sich die verschiedenen spirituellen Praktiken ähneln. Die Vorgänge im Gehirn, die über Gamma-Oszillationen gebunden werden, sind mit der Bildung von Sätzen vergleichbar. Buchstaben werden zu Silben, Silben zu Wörtern und diese zu Sätzen gruppiert. Wenn man annimmt, dass eine Gruppe von Nervenzellen für eine Silbe steht, dann muss man diese Gruppen richtig verbinden, um ein Wort zu bekommen, beispielsweise das Wort „Brille“. Dann bedarf es noch eines Satzes, der uns sagt, dass die Brille etwa auf einer schwarzen Tasche liegt. All das erfordert Bindungsfunktionen, syntaktische Operationen, die schnell und flexibel beliebige Neuronengruppen miteinander verknüpfen können müssen. Solches lässt sich über Synchronisation erreichen.

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