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Hilary Mantels Porträt in der British Library : Englands erste Autorin

Das Porträt der Autorin Hilary Mantel. Sie wünschte sich von ihrem Porträtisten, dass er ein Leuchten in ihren Augen erfasse, „als ob ein Denkprozess im Gange sei“. Bild: Tim Anderson

Hilary Mantel wird demnächst an der Wand in der Porträtgalerie der British Library zu sehen sein. Als Erstes Porträt eines lebenden Schriftstellers in der British Library überhaupt.

          Hilary Mantel wünschte sich von ihrem Porträtisten, dass er ein Leuchten in ihren Augen erfasse, „als ob ein Denkprozess im Gange sei“. Nick Lord, der fünfundzwanzig Jahre alte Sieger eines vom Fernsehsender Sky Arts ausgerichteten Wettbewerbs um den Porträtmaler des Jahres, hat die Schriftstellerin im Dreiviertelprofil dargestellt mit einem Stift in der einsatzbereiten rechten Hand, einem wachen, nach Innen gekehrten Blick und einem leicht ironischen Schmunzeln auf den Lippen, als gäre in ihrem Kopf eine ihrer scharfsinnigen Beobachtungen.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Am unteren Bildrand lässt Lord die Farbe des blauen Gewands in kleinen fransenartigen Streifen an der Leinwand hinabtropfen, auch dies ein Sinnbild für laufende Arbeit. Das Porträt der Autorin, die in ihren preisgekrönten, kürzlich auch von der Royal Shakespeare Company für die Bühne bearbeiteten Romanen, „Wölfe“ und „Falken“, die Gedankenwelt des Tudor-Politikers Thomas Cromwell so kunstvoll durchleuchtet hat, wird demnächst an der Wand neben dem Handschriften-Lesesaal hängen – als erstes Porträt eines lebenden Schriftstellers in der British Library überhaupt.

          Durch Unzulänglichkeitsgefühle gehemmt

          Dort gesellt sie sich am 24.Februar zu Shakespeare, T.S.Eliot und Virginia Woolf. Hilary Mantel, die unlängst Furore machte, als sie in einem vielfach missverstandenen Vortrag den stumpfen Ausdruck und das angestrengte Lächeln in einem Porträt der zur Schaufensterpuppe gestylten Herzogin von Cambridge bemängelte, sagte gegenüber dem „Daily Telegraph“, sie habe nicht so dargestellt werden wollen, als sitze sie bloß da und betrachte die Osterglocken.

          Frauen seien in der Geschichte so oft passive Empfänger des Künstlerblicks gewesen, sie habe aussehen wollen, als „hätte ich vielleicht eine Wirkung erzielt“. In einem für eine Dokumentarsendung über die Entstehung des Bildes aufgenommenen Gespräch mit dem Künstler, der ihr gestand, durch Unzulänglichkeitsgefühle gehemmt zu sein, wandte Hilary Mantel ein, das müsse so sein. Wenn man das Gefühl hätte, das Werk sei perfekt vollendet, gäbe es keinen Grund, am nächsten Tag aufzustehen.

          Die Schriftstellerin meinte, dass sie ihre eigene Erfahrung als Modell in den letzten Band ihrer Cromwell-Trilogie einfließen lassen werde, in der sie beschreibe, wie sich der Politiker porträtieren ließ. Dazwischen hat Hilary Mantel noch eine Kurzgeschichtensammlung mit zeitgenössischen Themen eingeschoben. Der für September angekündigte Band trägt den Titel „The Assassination of Margaret Thatcher“. Ihr Roman „Falken“, für den Mantel 2012 zum zweiten Mal den Booker Prize erhielt, gehört nach neuesten Zahlen zu den zehn am meisten ausgeliehenen Büchern in Bibliotheken. Das kommt bei belletristischen Titeln fast nie vor.

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