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Herbie Hancock wird 70 : Alle Tasten im Schrank

  • -Aktualisiert am

Mit Jazz in die Hitparaden: Herbie Hancock Bild: dpa

Der Lieblingspianist von Miles Davis ist außerdem Komponist, Bandleader und bisweilen noch Elektroniker - und brachte es mit seiner Version des Rockjazz bis in die Hitparaden.

          Für Klavierspieler waren die Bands von Miles Davis so etwas wie Durchlauferhitzer. Von 1947 bis 1991 haben nicht weniger als fünfundvierzig Pianisten bei dem Großmeister des modernen Jazz gespielt. Dafür gibt es Gründe. Miles hat die Stile gewechselt wie andere Musiker ihre Anzüge, und mit jedem neuen Stil kamen neue Musiker. Ein einziger Pianist hat es länger als drei Jahre bei Miles ausgehalten: Herbie Hancock. Auch dafür gibt es Gründe. Hancock konnte alles spielen, oder sagen wir lieber: er hätte alles spielen können, wenn er gewollt hätte. Herbie Hancock hat Bebop und Rockjazz gespielt, Fusion Music und Electronic Jazz, Modalen Jazz und Funk. Nur Cool Jazz wollte er nicht spielen, musste er auch nicht. Denn als er 1963 zu Miles Davis kam, war dessen kühlste Phase schon vorbei.

          Herbie Hancock war der Lieblingspianist von Miles Davis, der Dreh- und Angelpunkt seines zweiten Quintetts, mit dem er später die Sturmglocken des elektronischen Rockjazz geläutet hat. Hancock war dafür auch genau der richtige Mann. Denn er hat als Kind schon Mozarts Klavierkonzerte mit dem Sinfonieorchester seiner Heimatstadt Chicago gespielt und später am Grinnell College in Iowa nicht nur Musik studiert, son-dern zusätzlich noch Elektrotechnik.

          Mit Jazz in die Hitparaden

          Das erklärt auch, warum er bei Miles und vor allem später mit eigenen Gruppen nicht nur auf dem Konzertflügel spielte, sondern mit Vorliebe auf dem Fender Rhodes Piano und dazu noch eine ganze Batterie elektronischer Zusatzgeräte steuerte. Mit seiner eigenen Band "Headhunters" war er mit seinem Electric Jazz sogar kommerziell erfolgreicher als Miles Davis. Möglicherweise lag es an seiner Fähigkeit, alles, was er hörte, wie ein Schwamm aufzusaugen und in einen attraktiven Sound zu verwandeln, der jungen Leuten, die mit Computern und elektronischem Schnickschnack aufgewachsen waren, vertraut sein musste.

          Herbie Hancock wird 70 : Alle Tasten im Schrank

          Es wird kaum einen anderen Musiker geben, dem es so wie Herbie Hancock gelungen ist, mit Jazz in die Hitparaden von Rhythm & Blues und Rockmusik zu kommen. Zu seinen bekanntesten Kompositionen gehören "Rock-it", "Watermelon Man" und "Cantaloupe Island". Seit 1984 hat er nicht weniger als zwölf Grammys erhalten, die als Oscars der Schallplattenindustrie gelten. Auch als Filmkomponist ist Herbie Hancock erfolgreich. Er schrieb Soundtracks zu Michelangelo Antonionis "Blow Up", Michael Winners "Ein Mann sieht rot" und Bertrand Taverniers "Round Midnight". Zurzeit arbeitet er an der Musik zu einem neuen Film über das Leben von Miles Davis. Heute kann Herbie Hancock seinen siebzigsten Geburtstag feiern.

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