Argo soll sein Deckname gewesen sein. Die Argo war das größte Schiff der griechischen Sage. Es landet an der Schwarzmeerküste von Kolchis, holt das Goldene Vließ, auf das Griechenland einen alten Anspruch zu besitzen glaubt, mit allerhand Desinformation und tätiger Hilfe der griechischen Einflussagentin Medea, die für diese Aufgabe von einem Romeo namens Jason angeworben wurde. Sagenhaft!
Ernest Hemingway, so will es ein soeben in den Vereinigten Staaten erschienenes Buch von John Earl Haynes, Harvey Klehr und dem ehemaligen sowjetischen Geheimdienstler Alexander Vassiliev (Spies: The rise and fall of the KGB in America), habe im Frühjahr 1941 beim KGB angeheuert – unter dem Decknamen „Argo“. Sein Agentenführer war Jacob Golos, eine der Säulen der sowjetischen Spionage und zugleich – eigentlich sehr riskant – der Verbindungsmann der amerikanischen Kommunisten nach Moskau. Hemingway bekam ein Erkennungswort für Kontaktaufnahmen.
Dann reiste der Schriftsteller nach China. Allein, der Kontakt mit Moskaus Kundschaftern kam nicht zustande. Immerhin wurde der New Yorker Resident des KGB angewiesen, Hemingway künftig in Länder reisen zu lassen, „die für uns von Interesse sind“. In Kuba soll er dann, wie die drei Autoren behaupten, aus Veteranen des Spanischen Bürgerkriegs und Saufkumpanen eine Gruppe zusammengestellt haben, die deutschfreundliche Aktivitäten meldete und mit Finanzhilfe aus Washington einen Kutter klarmachte, der deutsche U-Boote beobachten sollte. J. Edgar Hoover konnte man damit nicht überzeugen. Hemingway, so der FBI-Chef, sei „der Letzte, nach meinem Urteil, den man in einer solchen Aufgabe verwenden sollte“.
Moskau muss ähnlich gedacht haben. Denn die Quelle Argo blieb stumm, trotz wiederholter Beteuerungen guten Willens. Ein Memorandum der Moskauer Zentrale stellte ihm zwar 1948 ein an sich hervorragendes Zeugnis aus. Nur eben, dass weder in Kuba noch später in London irgendwelche fassbaren Ergebnisse zustande gekommen seien. Von Argo erhielt man, wie es heißt, keinerlei „polit. Information“. 1949 meldete die New Yorker Residenz Hemingways Namen auf einer Liste amerikanischer Quellen – aber immer noch kein Kontakt. 1950, als man sich in den Vereinigten Staaten ernsthafter mit der kommunistischen Infiltration befasste, gab New York zu Protokoll, Argo unterhalte zwar freundschaftliche Beziehungen zu einem kommunistischen Kulturfunktionär, sei aber inzwischen zum „Trotzkismus“ übergelaufen. Danach kam nichts mehr. Ein Fischerboot hatte sich in die Rolle der Argo hineingeträumt. Kein Sagenstoff.