Durch die Spukmeldung, Heino sei jetzt ein Rocker, ist - und hier passt die Redewendung im Gegensatz zu Martin Mosebachs unseligem Gebrauch - endlich wieder Musik in die Sache gekommen: nämlich in die Frage nach Ironie in der deutschsprachigen Popmusik. Seitdem als intellektuell geltende Musiker wie Jochen Distelmeyer unverhohlen Schlagermusik machen, wird ja reflexhaft überall Ironie unterstellt. Dass man mit eingängigen Refrains einfach mehr Platten verkauft als mit Texten wie „Jeder geschlossene Raum ist ein Sarg“, wird dabei gern verschwiegen.
Was passiert aber nun, wenn der Volksmusikstar Heino die Werke anderer deutscher Musiker nachspielt und seinem Stil anverwandelt wie auf dem neuen Album „Mit freundlichen Grüßen“ - ist das dann ironisch oder bitterer Ernst und somit Anlass zum „Rockerkrieg gegen Heino“, wie die „Bild“-Zeitung phantasierte? Die Antwort hängt stark davon ab, als was man Heino auffasst - als das Rezeptionsphänomen, das Musikantenstadl-Zuschauer (vermeintlich) in ihm sehen, oder als eine Kunstfigur, die schon mit Ironie spielte, als die Diskurspopper noch in den Windeln lagen.
Vielleicht hat Heino die größere Ambivalenztoleranz
Je nach Auffassung kann die Wirkung der einzelnen Songs ganz unterschiedlich ausfallen. Die vermeintlichen Punkrocker der Band Die Ärzte könnten sich jedenfalls ironisch freuen, dass ihr Lied „Junge“ nun endlich glaubhaft in Elternperspektive gesetzt wird, wenn Heino singt: „Und wie du wieder aussiehst:/ Löcher in der Hose/Und ständig dieser Lärm“. Andere mögen sich ertappt fühlen: etwa die vermeintliche Indie-Rockband Sportfreunde Stiller, deren Song „Ein Kompliment“ nun als Schnulze zur Kenntlichkeit entstellt wird. Oder Peter Fox, dessen Sommerhit „Haus am See“ als Spießertraum entlarvt werde, wie der „Tagesspiegel“ treffend schrieb.
Der ironische Subtext des Heino-Coveralbums könnte also lauten: Ihr gehört zu mir. So hat denn der Interpret die ausgewählten Songs, die auch von Rammstein, Grönemeyer und Westernhagen stammen, als „die Volkslieder der modernen Generation“ bezeichnet. Vielleicht ist Heinos Ambivalenztoleranz ja viel größer als die der von ihm Adaptierten. An Blumfeld oder Tocotronic hat er sich noch nicht herangewagt, aber, oh Junge, auch da wartet noch Material auf Kenntlichmachung als das, wovor Dirk von Lowtzow am meisten Angst hat: als Schunkelmusik.
Ich fand es sehr lustig, wie der linke Mainstream versucht hat, Heino zu denunzieren
Michael Scheffler (Striesner)
- 05.02.2013, 17:34 Uhr
Heino für alle.
gisbert heimes (gisbert4)
- 05.02.2013, 16:46 Uhr
Ich habe schon lange den Verdacht, daß Dieter Bohlen
Alexander Lieven (MonsieurAlex)
- 05.02.2013, 16:10 Uhr
Johnny-Cashisierung Heino, des Könners
Andreas Lehmann (alm)
- 05.02.2013, 15:50 Uhr
Auf jeden Fall "Haus am See"
Marie Kelkmann (MKelk)
- 05.02.2013, 13:54 Uhr