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Freitag, 10. Februar 2012
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Heino Karamba, Karacho, ein Whiskey

27.07.2005 ·  Eigentlich wollte der Sänger Heino beruflich kürzertreten. Für den Fall, daß Angela Merkel die Macht übernimmt, erhofft er sich nun aber Karrierechancen: Er will Parlamentsbeauftragter fürs deutsche Volkslied werden.

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„Jaja die Katja, die hat ja Wodka im Blut.“ Oder war es Feuer? „Feuer im Blut“ klingt auch gut. Es gibt jedenfalls beides.

Man denkt sofort an Mütterchen Rußland, „Liebesnächte in der Taiga“, Konsalik, Sie wissen schon. Das sollte man mal wieder lesen, vielleicht bei einem Gläschen Kosaken-Kaffee (achtundzwanzig Prozent Alkohol) oder, noch besser, Schlehenfeuer, diesem schmackhaften Wildfruchtlikör (sogar achtunddreißig Prozent); die Gattin räkelt sich währenddessen halb entblößt und mit riskant offenem Haar auf einem Flokatiteppich vor dem knisternden Kamin und schenkt gelegentlich nach, bis man so blau-blau-blau ist wie der Enzian beziehungsweise Feuer im Blut hat - wie diese Katja da, von der dieser Dings, der Heino, damals so schön sang.

Man könnte in dieser Hinsicht oder muß sogar Heino den Konsalik der Volksmusik, ja, der Musik überhaupt nennen: 50 Millionen Jahre „im Geschäft“, 50 Platten verkauft oder umgekehrt, „das ist doch was“ (Horst Köhler). Ja, noch ist der Übermut stark in uns, noch ist gut witzeln über den Mann, dem die Nationalhymne zumindest früher so gut gefiel, daß er davon alle drei Strophen sang, woraufhin DDR-Grenzposten seine Platten beschlagnahmten, und der aber nun, im Alter von sechsundsechzig Jahren, endlich etwas kürzer und überhaupt nicht mehr auftreten will, höchstens vielleicht bei der Fußball-Weltmeisterschaft nächstes Jahr, da will er vielleicht noch mal singen, natürlich die Nationalhymne, aber nur die dritte Strophe und höchstens, wenn Gerhard „Feuerwasser“ Mayer-Vorfelder so lange im Amt durchhält, doch alle drei. Wir werden sehen.

Ganz schön pfiffig

Offiziell leugnet er das: „Das ist großer Quatsch“, sagte er der „Bunten“. „Mich so anzubieten, habe ich nicht nötig. Wenn man auf mich zukommt, würde ich es aber selbstverständlich machen.“ Ganz schön pfiffig. So ist er nun auch in einem Fall verfahren, dessen Tragweite noch erheblich größer sein dürfte. Angela Merkel hatte in einem Interview mit dieser Zeitung Anfang der Woche dafür plädiert, daß in den Schulen wieder mehr Volkslieder gesungen werden - ein Vorschlag, der ganz und gar unanstößig ist und sich wohl kaum auf das Katja- und Wodka-Repertoire des Herrn Heino bezogen haben dürfte (wir haben noch einmal nachgesehen: auch in der Rohfassung des Interviews findet sich nichts, und der Name des Sängers taucht auch nirgends auf).

Doch schon am nächsten Tag meldete sich Heino zu Wort: „Selbstverständlich stünde ich als überparteilicher Parlamentsbeauftragter für das deutsche Volkslied zur Verfügung.“ Parlamentsbeauftragter (das „überparteilich“ lassen wir jetzt mal weg) für das deutsche Volkslied - was für ein Posten! Für den brauchte man zwei Michael Naumanns und Julian Nida-Rümelins oder mindestens einen Sigmar Gabriel (der offiziell noch immer Popbeauftragter der SPD ist). Wir hören die Meldungen jetzt schon: „Berlin. Der überparteiliche Parlamentsbeauftragte für das deutsche Volkslied, Heino, hat sich dafür ausgesprochen, daß das Lied ,Karamba, Karacho, ein Whisky' jetzt doch schon von Klasse vier an gesungen wird.“ Wir werden uns weitere Berichterstattung vorbehalten.

Quelle: edo. / F.A.Z., 28.07.2005, Nr. 173 / Seite 29
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