29.12.2006 · Wie ruiniert man einen angesehenen Literaturpreis? In Düsseldorf ist die Jury des Heine-Preises auf Nummer Sicher gegangen. Und hat einen Streit entfacht, in dem es nicht um Heine, nur kurz um Handke und nie um die Literatur gegangen ist.
Wie ruiniert man einen angesehenen Literaturpreis? In Düsseldorf ist die Jury des Heine-Preises auf Nummer Sicher gegangen: Ein Patzer reicht nicht, wir machen alles falsch. Es hat ihr nicht genügt, mit Peter Handke einen Schriftsteller als Preisträger zu benennen, der wegen seiner politischen Äußerungen heftig kritisiert wird, nein, sie hat in ihrer allzu kurzen Begründung deutlich zu verstehen gegeben, daß sie Handke für den „Eigensinn“ auszeichnen wollte, mit dem er seine vom „poetischen Blick“ inspirierte Verteidigung des Diktators Milosevic gegen jedes Argument aufrecht erhält. Diese Begründung war eine Provokation, die Gehör fand. Danach folgte Schnitzer auf Schnitzer: Einige Jurymitglieder distanzierten sich nachträglich von der Entscheidung, die sie zunächst mitgetragen hatten, andere glaubten sich zu entlasten, indem sie gestanden, die Bücher Handkes gar nicht zu kennen. Später stellte sich heraus, daß weder die Juroren noch die Verantwortlichen der Kommunalpolitik genau wußten, was in der Satzung des Preises steht. Als die Politik sich einmischte und die Entscheidung der unabhängigen Jury rückgängig machen wollte, war der größtmögliche Schaden entstanden: Die vollständige Abwesenheit des Verantwortungsgefühls der meisten Beteiligten war offenkundig, Heine und Handke waren zum Opfer einer üblen Posse geworden. Es blieb Handke überlassen, sie auf die einzig angemessene Weise zu beenden: Er lehnte den Preis ab, als ihm klar wurde, daß es in dem Streit nicht um Heine, nur kurz um Handke und nie um die Literatur gegangen war.