11.05.2012 · Ich war lange nicht mehr in der ukrainischen Hauptstadt. Dumpfheit und Verdrossenheit liegen über der Stadt. Und doch ist sie immer noch meine Heimat. Ein Reisebericht.
Von Marina Weisband, KiewRichtlinien für Lesermeinungen
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Aus Sicht eines deutschen ehemaligen Strafgefangenen
geht mir die Beweinung von Frau Julia Timoschenko langsam auf die
Nerven. Zuerst einmal: auch im deutschen Vollzug wird, wenn sich ein
Gefangener gegen angeordnete Verlegungsmaßnahmen körperlich
wehrt, Gewalt angewandt. Und zwar nicht zu knapp, die blauen Flecke
können da durchaus deutlicher ausfallen als bei Frau Timoschenko.
Dann weiß ich, daß die Behandlung von Krankheiten auch im
deutschen Knast von Gefangenen nicht als optimal empfunden wird. Man
denke nicht, daß jeder Knastarzt bei einer beginnenden
Netzhautablösung diese diagnostizieren kann oder will. Auch Leute
mit einer Kiefervereiterung haben schon mal die eine oder andere Woche
" Spaß" bis zur Behandlung. Und bei körperlicher
Aufsässigkeit... siehe oben.
Noch nie habe ich gehört, daß ein deutscher
Charitéprofessor zu solchen deutschen Gefangenen angereist ist.
Noch nie hat sich die Kanzlerin auch nur ansatzweise um solche Probleme
gekümmert. Warum dann bei dieser korrupten Frau? Fühlt man
sich wegen Ähnlichkeit verbundem?
Es ist ja sehr bedauerlich, dass Sie die Autorin falsch verstanden
haben. Man liest nur das was er lesen will. Es ist kein 17-er
Jahrhundert um die Bevölkerung zu zwingen die Sprache zu sprechen
die die nicht sprechen will. Und alle mehrsprachigen
"zivilisierten" Länder (Kanada, Schweiz usw), zu denen
sich die Ukraine bestimmt hinzuzählt, haben bei sich mehr als eine
offizielle Sprache eingeführt.
Und es vollkommen egal auf welcher Sprache wird man erniedrigt oder
beschimpft.
Ausser Behauptung dass Russisch ist überall - viele Menschen
sprechen Ukrainisch, und das ist trotz der diskriminierenden
Stellungnahme der Behörden (die nie überwiegend Ukrainisch
gewesen waren) und nicht dank dass es einzige Amtssprache ist. Dasselbe
betrifft Fernsehen - Russisch dominiert, im Rundfunk auch, und jene
pauschale Massnahmen, die wurden seit 1991 unternommen, stellen nicht
die sprachliche Gerechtigkeit wieder her, die Gerechtigkeit, die wurde
systematisch seit 1654 (zwar, Jahr des Bündins mit Moskau) verletzt geworden.
Übrigens, kaum wird die Mundart die man hier spricht für echte
Russisch in Moskau anerkannt - eher, man wird sie belachen.
Eine Frage an die Autorin - bedauern Sie etwa, dass Russisch nicht ein
Amtssprache ist?
...und Frau Weisband hat recht: Kiew bekommt niemand kaputt :-)