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Haus am Dom : Worms wartet auf ein Wunder

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Wie nah darf man einem Dom zu Leibe rücken? Und sind Mahnwachen und Kirchenaustritte die richtige Reaktion? Der geplante Neubau eines Hauses am Dom entzweit die Stadt Worms.

          Am Bauzaun vor dem Dom, wo ein paar angebundene Rosen ihre Köpfe hängen lassen, bleiben alle Passanten stehen. Dort, wo seit Januar die Archäologen graben, hat der Bürgerverein Plakate aufgehängt. Als Protest gegen das Haus am Dom. Seit fast drei Jahren wird in Worms über den geplanten Neubau gestritten. Die meisten Touristen erfahren davon vor dem Bauzaun zum ersten Mal. Sie sind nur wenige Stunden in Worms und wollen den Kaiserdom besichtigen, der als Juwel romanischer Sakralbaukunst gilt. Viele schütteln den Kopf. Auch einer Touristin aus Ulm gefällt nicht, dass hier etwas verändert werden soll. „Es gibt doch Alternativen“, sagt sie und zeigt auf die „Kompromissvorschläge“, die der Bürgerverein am Bauzaun präsentiert.

          Sechs Meter, so groß soll der Abstand zwischen dem neuen Haus und dem Dom sein. Und hoch soll es werden, achtzehn und einen halben Meter. Und damit wäre der freie Blick auf die Kirche dahin, auf dem der Bürgerverein Dom-Umfeld besteht. Diesen Blick wollen sich die neunzig Mitglieder nicht nehmen lassen. Sie demonstrieren, verteilen Flyer, schreiben Briefe an die Kirche und halten Mahnwachen vor dem Dom. Ein großes Plakat am Bauzaun zeigt die Simulation aus der Fußgängerperspektive, die für die Gegner so wichtig ist, dass sie selbst anhand der Baumaße ein Modell entworfen haben. Klobig und fensterlos sieht das Haus am Dom darauf aus.

          Gemeindehaus, Café, Buchhandlung und Ausstellungsraum für das frühchristliche Taufbecken, das die Archäologen gefunden haben – all das soll das neue Haus sein. Im Sommer 2017 will Propst Tobias Schäfer einziehen. Damit das klappt, müssen die Archäologen bald fertig werden. Spätestens 2018 aber, zur Tausendjahrfeier der ersten Weihe des Doms, soll das Haus stehen.

          „Der Dom bedeutet für die Wormser Heimat“

          Auf der anderen Straßenseite liegt das Restaurant Stammhaus. Vom ersten Stock aus könne man sich das besser vorstellen, sagt Josef Eberhardt. Er ist der Vorsitzende des Bürgervereins und arbeitet als selbständiger Geologe. Eigentlich wollte er Missionar in Afrika werden. Seit Jahren versucht er, sich Gehör zu verschaffen. Auch heute ist das nicht einfach, denn die Gruppe am Nebentisch begrüßt jedes Gericht mit Gebrüll. Seit November 2014 liegt der Kirche die Baugenehmigung vor.

          Für Eberhardt ist das frustrierend, aber kein Grund aufzugeben. Er ist stolz darauf, dass bald die hundertste Mahnwache vor dem Dom stattfindet. Jeden Sonntag versammeln sich etwa dreißig Leute. Für Worms mit seinen achtzigtausend Einwohnern sei das viel. „Die Wormser gelten eher als lethargisch“, sagt Mechthild Vogel, die sich auch im Bürgerverein engagiert. Der freie Blick auf den Dom hat für sie und Eberhardt fast etwas Heiliges. „Der Dom bedeutet für die Wormser Heimat“, sagt Vogel und vergleicht die Einschränkung des freien Blicks mit dem Verlust einer geliebten Person, die einem gewaltsam genommen wird.

          Was man sich im ersten Stock des Restaurants Stammhaus vor allem vorstellen kann, ist, wie die Touristengruppen, die unten herumwuseln, bald nach ihrer Dombesichtigung im Haus am Dom landen werden. Und sei es nur, um eine Postkarte als Souvenir zu kaufen. „Wir wollen da sein, wo die Menschen sind“, erklärt Klaus Berg, stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrats der Gemeinde, die aus der Domgemeinde St.Peter und der Gemeinde St.Martin besteht. Das Haus am Dom wird nicht nur für die viereinhalbtausend Gemeindemitglieder, sondern auch für die dreihunderttausend Touristen gebaut, die jedes Jahr nach Worms kommen. Berg freut sich darauf, dass die Leute bald bei einem Cappuccino an der Südseite des Doms sitzen können. Der „Schokoladenseite“, wie sie der Bürgerverein nennt.

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