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Donnerstag, 20. Juni 2013
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Hauptstadttierkultur Unter Berlinern

 ·  Die Stadtbären leben in unwürdiger Enge, und hundertfünfzig Kampfhunde warten im Tierheim auf neue Besitzer: Die deutsche Hauptstadt hat ein merkwürdiges Verhältnis zu ihren Vierbeinern.

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Der Berliner Tierschutzbeauftragte Klaus Lüdcke hat zum Ende seiner Amtszeit eine verheerende Bilanz gezogen. Die Bewohner dieser Stadt seien grenzenlos tierlieb, aber vollkommen ahnungslos. Dies trifft bekanntermaßen noch auf andere Dinge zu, welche die Berliner gern unternehmen, ohne sich damit auszukennen.

Die Liste wird regelmäßig in den Tageszeitungen der Stadt abgedruckt und reicht vom Bau eines Flughafens über den Betrieb der S-Bahn bis zum Begleichen von Schulden und Finden von Arbeit. Da überrascht es nicht, wenn die Leute nun auch mit dem Halten von Haustieren überfordert sind.

Ein Zwinger für die Wappentiere der Stadt

Als Beispiele führt der Tierschutzmann den Berliner Zoo an, in dem die Löwen miteinander Inzucht treiben, die Berliner Omas, die heimlich Straßentauben füttern, dazu den Bezirk Mitte, der die beiden Stadtbären Maxi und Schnute, immerhin Wappentiere, seit Jahren in einem unwürdigen Zwinger hält, sowie die Berliner Tierliebhaber allgemein, die den Tierschutzbeauftragten bis nach Mitternacht anrufen, nur weil sie auf der Straße einen Fuchs gesehen haben, der tollwütig sein soll, wo es doch die Tollwut seit zwanzig Jahren in der Stadt nicht mehr gibt.

Aber das weiß natürlich wieder keiner. Im Berliner Tierheim warten derzeit hundertfünfzig Kampfhunde auf neue Besitzer. Dazu kommen zahlreiche Reptilien und Amphibien, die inzwischen über die Baumärkte verkauft werden und mit denen die Berliner ebenso wenig zurechtkamen wie mit den Hunden. Für sie musste im Heim ein eigenes Haus gebaut werden, wie auch für die sechsundzwanzig Affen, die - das muss man fairerweise sagen - nicht in Berlin, sondern in Brandenburg aufgefunden wurden.

Nichts und niemand geht verloren

Dennoch klingt das alles nach jenen Berliner Zuständen, bei denen man sich fragt, warum der Betrieb in dieser Stadt noch nicht völlig zusammengebrochen ist. Die Antwort darauf lässt sich, zumindest für die Tiere, leicht geben. Denn nach Auskunft des Tierschutzbeauftragten kann das Tierheim nur neue Häuser bauen, weil es immer wieder Spenden von Berlinern erhält, die ebenso tierlieb sind wie diejenigen Berliner, die sich Kampfhunde oder Reptilien kaufen.

Es mögen andere Leute sein, aber es ist dieselbe Liebe. Sie sorgt dafür, dass nichts verlorengeht. Als vor eineinhalb Jahren der Berliner Kater Felix aus dem Tierheim nach Braunschweig vermittelt wurde, war er ein Jahr später wieder da, und keiner wusste, wie er die Strecke zurückgelegt hatte. Wie, wusste er selbst nicht.

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Jahrgang 1974, Redakteur für das Feuilleton in Berlin.

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