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Hauptstadt der Symbole : Das seltsame Berlin

  • -Aktualisiert am

Berlin ist voller Geheimnisse und Poesie - für jene, die das interessiert. Bild: Kien Hoang Le

Hier stürzt man nur, mit Gehen kommt man nicht weiter, dichtete schon Klabund. Heute verdammen die zugezogenen Altbaubewohner die Easyjet-Barbaren. Doch die Indigenen am Stadtrand ficht das alles nicht an.

          Bis heute lebt Berlin von der Abstraktion eines Symbols. Der Name „Berlin“ steht für das Traditionslose, Offene, Fragmentarische und Provisorische der einzigen deutschen Großstadt. Man kommt hierher, weil die Stadt anscheinend nur darauf wartet, geprägt, benutzt und vereinnahmt zu werden. Der Mythos handelt von einem riesigen Museum von Behauptungen, die von den Sentimentalen wiederbelebt und von den Destruktiven gebrochen werden.

          Man kann hier vom jungen Preußen, vom klassischen Bauhaus, von den Einstürzenden Neubauten träumen – oder wirklich was in Gang setzen, ausprobieren oder eine Unterscheidung treffen wollen.

          Immer bildet Berlin die Bühne, auf der Protagonisten von woanders her Platz schaffen und Perspektiven aufreißen. Nirgendwo sonst scheint die Banalisierung des Neuen allerdings auch so weit fortgeschritten zu sein wie in diesem enormen „Notgebilde“ (Karl Scheffler), wo das Unvergängliche, so Bernard von Brentano mit der Sensibilität des 20.Jahrhunderts, keine Zeit zu haben scheint, um zu entstehen.

          In unserem Jahrhundert hat eine neuerliche Musealisierung der Berlin-Erwartung im Pop stattgefunden. Dazu gehört zum Beispiel die Geschichte von David Bowie und Iggy Pop, die 1977 für zwei Jahre nach Berlin kamen und die Hauptstraße in Schöneberg mit den Samstagnachmittagen in den Wannenbädern im Stadtbad gegenüber vom Prälat Schöneberg, mit den Schlangen vor den Schaltern der BVG-Zentrale am Kleistpark und dem „Anderen Ufer“ als schwul-lesbischem Ort mit heteronormativer Gelassenheit weltberühmt machten.

          Im räudigen Teil der Mauerstadt

          Zwischen Kebab-Träumen und Ur-Berliner Ekeligkeit sind in diesem räudigen Teil der Mauerstadt die Bowie-Alben „Low“ und „Heroes“ und Iggy Pops Supertitel „The Passenger“ entstanden. Auf ihren Berliner Touren waren die beiden nicht nur im „Dschungel“ in der Nürnberger Straße, sondern sie haben auch bei Rolf Eden „glittring champagne on ice / garish and overpriced“ getrunken und sind in der „Lützower Lampe“, wo der Barmann, der Türsteher und der Typ auf der Bühne ein und dieselbe Person waren, mit „Daddy Cool“ von Boney M. versunken.

          So wurde der Punk vorbereitet, der dann für die Hausbesetzer der frühen achtziger Jahre den Sound für das Befreiungspathos von „No Future“ geliefert hat.

          Der Name „Berlin“ ist seitdem mit dem Stimmungsbild der achtziger Jahre aufgeladen. Die geteilte Stadt war trotz des 1969 gegründeten „Zentralrats der umherschweifenden Haschrebellen“, aus denen die offen linksterroristisch eingestellten „Tupamaros West-Berlins“ hervorgingen, nie ein Ort für Hippies.

          Erst die Punk-Generation der Hausbesetzer, die zeitweise immerhin 165 Häuser besetzt hielten, brachte eine Szene von popkulturellem Belang hervor, die sich als wüst und empfindsam, hemmungslos und wagemutig darstellte. In den okkupierten Häusern konnte man sich in Genres jenseits der eingezäunten Bereiche von Musik, Malerei oder Theater ausprobieren.

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