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Harald Staun Der Film als Waffe

25.07.2004 ·  Moore hat das Mittel der Montage für seinen politischen Kampf entdeckt, was es ganz einfach macht, die Dinge aus dem Zusammenhang zu reißen und vorteilhaft wieder zu arrangieren.

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Die Sache mit der Palme wird Quentin Tarantinos Geheimnis bleiben. Natürlich bleibt außer Enttäuschung nicht viel übrig von "Fahrenheit 9/11", wenn man ihn nach künstlerischen Kriterien beurteilt. Aber daß sich Michael Moore nur aus elender Feigheit die Kamera als Waffe ausgesucht hat, um seine Feinde dort zu treffen, wo er sie für besonders verwundbar hält, das hätte man seit "Bowling for Columbine" ja auch schon wissen können.

Er schießt gar nicht besonders viel selbst damit in seinem neuen Film, er hat das Mittel der Montage für seinen politischen Kampf entdeckt, was es ganz einfach macht, die Dinge aus dem Zusammenhang zu reißen und vorteilhaft wieder zu arrangieren: Ein paar Scheichs hier, ein paar debil guckende Politiker dort. Das ist zwar einerseits eine Kapitulation vor dem Gegner, der auf diese Technik das Copyright beansprucht; es ist aber andererseits trotzdem ein fairer Kampf, dieses Duell der Dualismen: Polemik gegen Propaganda, Provokation gegen Patriotismus.

Man wird daher zwar das Gefühl nicht los, daß Moore auch die Zuschauer meint, wenn er von "Stupid White Men" spricht - aber leider auch nicht den Verdacht, daß sie sich doch noch nicht genug herumgesprochen haben, die binsenweisen Vorwürfe, die er so krachledern inszeniert. Und wenn man sie nebeneinanderstellt, die Ressentiments der Guten und der Bösen, dann sind die Karikaturen Moores leider ein bißchen schärfer und lustiger und trotzdem weniger zynisch. Die Wahl der Waffen ist meist das Privileg der stärkeren Partei; Moore hält sich nicht an diese Regel. Sehr elegant ist das nicht, aber das ist eben ein Preis, den nicht nur Moore zu zahlen bereit ist. Now watch this drive!

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 25.07.2004, Nr. 30

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