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Harald Schmidts Comeback Jeder konnte es wissen!

12.11.2004 ·  Daß es ihn zur ARD zieht, hat Harald Schmidt nie verheimlicht. Im Gegenteil: Den Brief des ARD-Vorsitzenden, der ihm ein Angebot unterbreitete, machte Schmidt zum Teil seines Kabarettprogramms.

Von Leeor A. Engländer
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Harald Schmidt sagt offen, was jeder denkt. Und wem das Rüstzeug zum Selberdenken fehlt, der denkt, was Harald Schmidt sagt. Als Kabarettist versteht er es wie kein anderer, uns den Spiegel vorzuhalten. Und wer sich nicht selbst darin erkennt, erkennt wenigstens die anderen. Das Quentchen Wahrheit in allem, was er sagt, machte ihn zum unangefochtenen Tageschronisten im deutschen Fernsehen. Er verschrieb sich sogar dann noch der Wahrheit, wenn es bitter weh tat, sie zu hören. Man glaubte ihm vielleicht gerade deshalb.

Nur bei einem Thema wollte man Harald Schmidt nicht glauben. Zwar nur in kleinen Dosen, aber dann heftig, frotzelte er über sich selbst: mein Leben, mein Status, meine Gage. Insbesondere bei diesen Dingen dachte man sofort, das hat er jetzt nicht ernst gemeint. Es scheint, als zeige sich hier ein Schutzmechanismus nach dem Schema: Was der Meister über sich selber sagt, ist nur Show. Denn wie hätte es unsere Neidgesellschaft sonst ertragen, einen Menschen zu lieben, der sein dekadentes Leben so offen zur Schau stellt?

Ein Brief auf der Bühne

Doch hätten wir ihm immer geglaubt, dann wäre sein Comeback am 23. Dezember keine Überraschung gewesen. Noch zu „Late-Night“-Zeiten zerriß er sich das Maul über Claus Peymanns Brief, der ihn sofort ans Berliner Ensemble holen wollte. Allein der Briefkopf war Harald Schmidt schon eine Pointe wert. Keiner, der nicht in das Schmidt-Peymannsche Komplott eingeweiht war, hätte gedacht, daß Schmidt wenige Monate später vor ausverkauftem Haus auf der Bühne des BE stünde.

Und genau dort erfuhren wir vor einem halben Jahr, was die Feuilletons heute als Sensation feiern. Ja, wir durften alle erleben, wie Harald Schmidt den kompletten Brief des ARD-Vorsitzenden Jobst Plog mit der Einladung zu einem Gespräch über ein neues Engagement vorlas. Schon mit der ersten Zeile provozierte er einen Lacher. Und man war sich sicher, diesen Brief nimmt der Meister selbst genauso wenig ernst wie seine Jünger im Publikum. Falsch! Am 8. Juni 2004 in Berlin hätte es schon jeder wissen können: Harald Schmidt kommt in die ARD. Und spätestens dort glauben wir ihm dann wieder alles.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 13. November 2004
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